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leserbriefe
Schwierige Entscheidung

Zu den Artikeln „In der Region nehmen Ärzte keine Abtreibungen mehr vor“ und „Der schwierige und lange Weg zur Abtreibung“ (TV vom 31. August) sowie zum Leserbrief von Pfr. Winfrid Krause unter der Überschrift „Frauen, schämt euch!“ (TV vom 8./9. September) schreibt Jurrien Mak:

Mit Interesse habe ich die Beiträge gelesen. Wenn ein Pfarrer seine Meinung zu diesem Thema äußert – übrigens jemand, der durch eine zölibatäre Lebensweise normalerweise persönlich niemals zu schaffen hat mit einer Schwangerschaft –, muss das auf religiös-ethischen Motiven basieren. Vielleicht wäre es besser, dass der Pfarrer sich erst mit anderen Problemen beschäftigt, zum Beispiel den Brandbrief an den Papst mal liest.

In seinem Leserbrief ist von der Abtreibung „unschuldiger Kinder“ die Rede. Medizinisch handelt es sich um Embryos, nicht um Kinder. Dass unter Umständen Abtreibung straffrei bleibt (Beratung, zwölf Monate Frist) beweist, dass nur eine  Frau diese schwierige Entscheidung treffen kann und nicht ein Richter und bestimmt nicht die Kirche.

Es fallt mir auf, dass in unserer  Region kein Frauenarzt zur Abtreibung bereit ist. Wenn das in ethischen oder religiösen Motiven wurzelt, bin ich damit völlig einverstanden. Aber ich frage mich, ob die Macht der Kirche und ihr Einfluss auf die Jobs der Ärzte nicht auch eine Rolle spielt (siehe Klage des Chefarztes aus Düsseldorf vor dem Europäischen Gerichtshof).

Erstaunlich, dass in einem säkularen Staat die katholische Kirche noch immer versucht, nicht-religiösen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.

Ich habe beruflich Anästhesie gegeben bei Hunderten legalen Abtreibungen, bei Frauen aus allen sozialen Lagen, auch bei 13-Jährigen und in katholischen Krankenhäusern (!), und das noch nie bedauert.

Jurrien Mak, Facharzt für Anästhesie und Schmerzbekämpfung i. R., Bleialf