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Gesellschaft und Sprache: Sexistische Klischees, gestrige Strukturen

Gesellschaft und Sprache : Sexistische Klischees, gestrige Strukturen

Zum Artikel „Theatermasken: Wie viel Gefühl die Maske schluckt“ (TV vom 11. Dezember) schreiben Luiza Braz Batista, Agnes Otto, Marsha Zimmermann und Daniela Zwicklbauer:

Der Beitrag ist mit Bildern zum Vergleich von Emotionen mit und ohne Maske illustriert. In den Bildunterschriften werden diese Emotionen bestimmten Situationen zugeordnet. Dabei wird deutlich, dass bei beiden Frauen die Texte überwiegend im Zusammenhang mit/in Bezug auf Männern/Partnern und dem Attraktivitätsempfinden nur einem Mann gegenüberstehen. Zum Beispiel: „So lacht wohl eine Frau über den Witz eines Mannes, den sie attraktiv findet – egal, ob die Pointe sitzt oder nicht.“ Dieser Satz zeigt, wie tief Sexismus in alltäglichen Formulierungen noch immer in unserem Denken etabliert ist. Worin wir hier sexistische Strukturen sehen? Wir als Frauen fühlen uns dadurch generalisiert („wohl EINE Frau“) und alleine auf die Wahrnehmung durch einen Mann reduziert, denn wieso sonst sollten wir über einen Witz lachen, dessen Pointe nicht sitzt? Noch dazu findet diese Wahrnehmung nicht etwa aufgrund einer eigenen Leistung der dargestellten Frau statt, sondern nur in ihrer Funktion den Mann zu bestätigen.

Bei den Texten zu den Bildern der Männer ist kein Bezug auf vergleichbare Themen zu finden. Hätte ein Vergleich von Emotionen mit und ohne Maske nicht gereicht, wie es beim Shooting der Bilder kommuniziert wurde? (Eine Mitautorin dieses Briefes ist Teil des Artikels.) Wozu braucht es die dazu geschriebenen Bildunterschriften, die sexistische Klischees bedienen und gestrige Strukturen festigen. Wenn Bildunterschriften nötig sind, warum genügt nicht eine neutralere Formulierung wie „Da lacht jemand über einen guten Witz.“, die dem Vergleich keine Aussagekraft nimmt.

Es stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Frauenbild, welches hier projiziert wird. Selbst wenn Rainer Nolden dies als Autor nicht beabsichtigt haben sollte, ist sein Artikel ein Beispiel dafür, wie veraltete Strukturen und Sichtweisen erhalten werden und damit die inzwischen allgemeingültigen Grundlagen in der Gleichstellungsdebatte ignoriert werden. Es sind solche Aussagen wie der oben genannte Satz oder die nicht konsequente Nutzung geschlechtergerechter Sprache, die verhindern, Frauen als eigenständige Wesen anzunehmen, welche nicht in permanenter Abhängigkeit zum Mann existieren.

Möglicherweise kommt nun der Gedanke auf: „Nehmt es nicht so persönlich, es war nicht so gemeint.“ – Doch. Wir nehmen es persönlich, wir müssen es persönlich nehmen. „Nicht so gemeint“ setzt unbewusstes Handeln voraus. Das ist durchaus entschuldbar, aufgezeigt werden muss es dennoch. Sogar mit Nachdruck. Wir sehen uns in der Verantwortung, dies anzusprechen und darauf aufmerksam zu machen. Wir sind uns sicher, dass nicht nur wir uns durch diese Aussagen in eine Schublade gesteckt und mit veralteten Klischees konfrontiert sehen. Der bewusste Umgang mit Themen wie diesem sollte selbstverständlich sein und werden.

Luiza Braz Batista, Agnes Otto, Marsha Zimmermann, Daniela Zwicklbauer, Trier