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Gesundheit: Sie preschen los, als gäbe es kein Morgen

Gesundheit : Sie preschen los, als gäbe es kein Morgen

Zur Berichterstattung über die Corona-Krise schreiben Günter Endres, Silke Losen, Georg von Carnap, Hans Georg Rosar und Richard Fuhs:

Anlässlich eines längeren Krankenhausaufenthaltes – wohlgemerkt nicht als Corona-Patient – habe ich die Leistungen unserer Ärzte und des Pflegepersonals hautnah erfahren und erleben können. Durch die Corona-Krise zeigen sich die Versäumnisse in der Pflege und in der Erhaltung der Krankenhäuser in allen Details. Gegenüber den Ärzten und dem Pflegepersonal reicht Dankbarkeit alleine nicht aus. Zur Beseitigung des Pflegenotstands und der Wertschätzung gegenüber dem Pflegepersonal bedingt es höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die jetzige Krise wäre ein Anlass für unsere Bundestags- und Landtagsabgeordneten, über die Reduzierung des Parlaments und die Souveränität der Länder neu nachzudenken. Allein die Festlegung der Höchstzahl der Bundestagsabgeordneten auf 600 würde langfristig und dauerhaft zu erheblichen Kosteneinsparungen im oberen dreistelligen Millionenbereich führen, der für Pflegepersonal und Krankenhäuser, aber auch in die Wissenschaft und Forschung investiert werden könnte. Das wäre einmal eine Investition in die Zukunft. Hier sind unsere Politiker gefordert, ihre Machtansprüche neu zu überdenken. Gleiches gilt für die teilweise macht- und geldgeilen Wirtschaftsbosse, die Konzerne und auch die Medien.

Ein Dank gilt daher auch unserer Bundeskanzlerin, die die Krise entgegen vieler Widerstände in Politik und Wirtschaft bisher gemeistert hat. Chapeau! Denn in dieser Pandemie wusste und weiß keiner der Experten, was tatsächlich der richtige Weg und die richtigen Maßnahmen sind. Welche Maßnahmen die besten waren, werden wir wissen, wenn alles vorbei ist.

Wie sagte Mahatma Gandhi: Auch wenn die Geschichte lehrt, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt, bleibt die Hoffnung, dass es jetzt endlich einmal anders sein wird.

Günter Endres, Üxheim

Ich arbeite im Einzelhandel, in einem großen Store in Trier, mir und meinen Kollegen(innen) sträuben sich jeden Tag die Haare, wie unvernünftig unsere Kundschaft doch ist. Jeder wollte eine Lockerung, jeder sagte, er hält sich an die Regeln, nur leider, wenn es darum geht, weiß niemand mehr etwas davon.

Bei uns steht extra ein Mitarbeiter am Eingang, er desinfiziert die Hände, achtet darauf, dass der Mund-Nasen-Schutz getragen wird, weist freundlich darauf hin, dass hier der Eingang ist und der Ausgang sich daneben befindet. Ist alles mit Pfeilen und Schildern markiert, doch die Kunden preschen los wie eh und je. Wir zählen sie, damit nicht mehr im Laden sind als rein dürfen. Müssen sie mal ganz kurz warten, ernten wir Unverständnis. Einmal drin, drängen sie sich dicht an dicht vor der Angebotsware und vor den Kassen. Wir weisen sie darauf hin, bitte Abstand zu halten. Die Antwort: Sie sind aber kleinlich, das ist ja wohl nicht Ihre Angelegenheit. Sie ziehen den Schutz von Mund und Nase, sobald sie im Laden sind, und wenn wir darauf hinweisen, heißt es: Da bekommt man keine Luft drunter. Aha – und wir Verkäufer(innen), die diese Masken acht Stunden am Tag tragen und dabei arbeiten, bekommen besser Luft?!

An den Kassen ist Spritzschutz installiert, doch die Schale fürs Bargeld wird gern übersehen – wir sollen uns mal nicht so anstellen. Wir stellen leider fest: Es wird zurzeit mehr bar bezahlt als mit Karte!

Viele sehen es nicht ein, ich muss dazu sagen, leider vor allem viele ältere Menschen!

Wir haben die hohen Auflagen der Regierung zu erfüllen, versuchen diese einzuhalten, das geht nur gemeinsam, liebe Kunden, wir machen doch nur unseren Job, damit Sie einkaufen können, die Regeln helfen uns allen! Bitte denken sie nur einen Augenblick nach, wenn wir sie freundlich auf etwas hinweisen – es dient Ihrer und unserer Sicherheit. Ein großes Lob an all die Kunden, die auch mal Danke sagen und sich freuen, dass wir den Laden wieder geöffnet haben. Bleiben sie gesund!

Silke Losen, Kordel

Es mehren sich Stimmen, die die Corona-Pandemie als Rache der Natur oder gar als Strafe Gottes ansehen. Ich weiß nicht, wer Gott ist. Von denjenigen, die vorgeben, es zu wissen, höre ich, Gott sei ein liebender Gott. Corona ist eine Naturkatastrophe wie Erdbeben und Vulkanausbrüche. Naturkatastrophen gibt es, seit die Erde besteht, also lange bevor der Mensch existierte. Warum sollte ein liebender Gott die Natur bestrafen? Seuchen gibt es, seit es Tiere gibt. Warum sollte ein liebender Gott Tiere bestrafen? An Corona sterben überwiegend alte Menschen und solche, die bereits an ernsthaften Vorerkrankungen gelitten haben. Warum sollte ein liebender Gott gerade diese leidgeprüften Menschen bestrafen?

Seuchen werden in der Mehrzahl von Tieren auf den Menschen übertragen, wie die Pest im Mittelalter (Ratten, Mäuse, Flöhe) oder die Spanische Grippe (Schweine) mit circa 50 Millionen Toten. Auch Corona nahm seinen Anfang im Reich der Tiere (auf einem Fischmarkt in China).

Man sagt, die Corona-Krise sei die größte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Ich bezweifle auch das. In den Jahren 1957/58 gab es die Asiatische Grippe und 1968 bis 1970 die Hongkong-Grippe mit jeweils mehr als einer Million Toten. Und selbst in unserer Zeit gibt es Seuchen, die verheerender sind als Corona: Aids, Tuberkulose, Malaria. Aids forderte seit 1980 32 Millionen Tote, aktuell: 750 000 Tote im Jahr! An Tuberkulose (übertragen von Rindern, Hühnern …) und Malaria (Mücken) sterben Jahr für Jahr zwei Millionen Menschen.

Warum hört man davon nichts? Weil die Opfer überwiegend nicht bei uns, sondern in den ärmeren Ländern zuhause sind?

Georg von Carnap, Gillenfeld

Die Karikatur im TV vom 11. Mai bringt es auf den Punkt. Gummizellen für die Verschwörungstheoretiker und andere Wirrköpfe. Genau – Volltreffer! Wir leben in einer Demokratie, da hat jeder Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung. Da demonstrieren Rechtspopulisten, Reichsbürger, Impfgegner, linke Wutbürger und andere Gruppierungen mit teilweise kruden und irren Meinungen. Jeder nach seiner Fasson. Aber wenn diese Meinungsfreiheit dahin geht, Leben und Gesundheit anderer zu gefährden, dann soll und muss der Staat eingreifen.

Die überwältigende Mehrheit der Bürger ist mit den Maßnahmen der Politiker und auch der Ärzte einverstanden. Und eines muss man ja anerkennen, die Verantwortlichen in Bund und Ländern haben es durch diese Maßnahmen bis jetzt geschafft, das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Wir sind nach dem jetzigen Stand gut gerüstet, um mit der Seuche fertig zu werden, es stehen zur Zeit genug Betten und Beatmungsgeräte in den Krankenhäusern und Intensivstationen zur Verfügung. Wenn man andere Länder sieht, bei denen die Infektions- und auch die Todesrate erheblich höher liegt als bei uns und das gesamte Gesundheitssystem schon fast zusammengebrochen ist, dann bin ich froh, dass ich hier lebe – in einem Land, in dem die Politiker die richtigen Entscheidungen getroffen haben, und nicht in einem Land, das von charakterschwachen „tumben“ Egoisten, Dummschwätzern und Selbstdarstellern regiert wird wie Brasilien oder die USA.

Hans Georg Rosar, Trier

Zum Artikel „Wëllkomm zréck léif Noperen!“ ( TV vom 14. Mai):

Dass Bundesinnenminister Seehofer nun endlich die Grenzen zu Luxemburg wieder geöffnet hat, ist wahrscheinlich dem Druck luxemburgischer Politiker geschuldet und nicht seiner Einsicht in diese sinnfreie Maßnahme.

Zu keiner Zeit war Luxemburg ein Hotspot in der Corona-Pandemie, der das Schließen der Grenzen gerechtfertigt hätte. Umso weniger, als die Grenze zu Belgien, das mit 600 Toten auf eine Million Einwohner noch vor Italien und Spanien liegt, die ganze Zeit offen blieb.

Und dass Menschen aus dem von Corona stark betroffenen Elsass auf dem Umweg über Luxemburg nach Deutschland einreisen, ist schon deshalb nicht möglich, weil Frankreich noch strengere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit erlassen hat als Deutschland.

Es liegt vielmehr die Vermutung nahe, dass Seehofer einfach mal zeigen wollte, dass man Grenzen sehr wohl schließen kann. Bleibt zu hoffen, dass die Grenzschließung ein einmaliger Vorgang war, der das gute Verhältnis zu unseren Nachbarn aus dem „Ländchen“ nicht nachhaltig beschädigt hat.

Richard Fuhs, Saarburg