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Sinneswandel oder der kleine Schritt von der Anständigkeit zur Unanständigkeit

Leserbrief : Sinneswandel oder der kleine Schritt von der Anständigkeit zur Unanständigkeit

Krankenhaus Ehrang

Zu den Artikeln „Flut-Schäden zu groß: Aus für das Krankenhaus
Ehrang“ (TV, 4. Dezember), „Klinikleitung: Krankenhaus Ehrang bleibt geschlossen“ (TV, 13. Januar) sowie zu weiteren Artikeln und Leserbriefen zum Ehranger Krankenhaus:

Vielleicht von der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen, haben in der letzten Oktoberwoche bis in die erste Novemberwoche drei Transparente am Bauzaun des Klinikums Ehrang gehangen. Hier hatte man die  einzelnen Schritte der Evakuierung  mit Bildern und Uhrzeit festgehalten. Die wichtige Mitteilung stand auf dem mittleren Transparent mit der Information: „Wir bleiben.“

Mehr als 100 Tage nach der Hochwasserkatastrophe kann man wohl davon ausgehen, dass eine Schadensbewertung vorlag. Ansonsten wäre man wohl nicht mit dieser Zusage an die Öffentlichkeit gegangen. Wie es dann doch zu diesem Sinneswandel kommen  konnte, das Klinikum Ehrang zu schließen, ist eigentlich nur zu erklären, dass man in der Katastrophe noch einen Vorteil sieht.

Allerdings nur, wenn man die Kompensationszahlungen zur Schadensregulierung, die von Bund und Land für die Hochwasserschäden zugesagt wurden, weiterleiten kann zu den Klinikstandorten Mitte und Nord. Um die Schließung zu rechtfertigen, werden exorbitante Kosten genannt und lange Aufbauzeiten – bis zu fünf Jahre. Dabei hat das Gebäude nicht bis zum Dach unter Wasser gestanden.

Dass man seitens der Landesregierung offenbar nach einseitigem Austausch Unterstützung signalisiert, zeigt nur, dass man dort nicht verstanden hat, wie wichtig der Standort Ehrang für die Menschen in der näheren Umgebung ist. Alle Verkehrswege, sei es von der vorderen Eifel, dem Hunsrück oder der Mosel, treffen zunächst auf Ehrang. Wenn das Team eines Rettungswagens um jede Minute kämpft, um schnellstmöglich Erste Hilfe zu leisten, kann der nächstgelegene Klinikstandort schon mal überlebenswichtig sein. Die Fahrzeit zum Klinikum Stadtmitte ist je nach Verkehrslage mindestens 15 bis 20 Minuten länger.

Nicht zu vergessen: Im Stadtzentrum gibt es neben dem Mutterhaus Mitte und Nord auch noch das Brüderkrankenhaus. Zusammen verfügen diese Kliniken über eine Kapazität von rund 1600 Betten. Dazu kämen noch mal 100 Betten. Es kann doch nicht sein, dass in der Stadtmitte eine Überversorgung stattfindet und das wichtige Krankenhaus an der Peripherie, das für eine schnelle Notfallversorgung von über 60.000 Menschen steht, geschlossen wird.

Hier sei auch noch daran erinnert, dass es wichtige Synergieeffekte gab zwischen Seniorenresidenz, Klinikum und Rettungswache. Die könnte es wieder geben, aber leider ist ein wichtiger Teil dieses Dreierbündnisses auf der Flucht.