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Justiz: So fühlt es sich an, wenn alles zusammenbricht

Justiz : So fühlt es sich an, wenn alles zusammenbricht

Zu den Artikeln „Ex-Minister bangt im Prozess um Pension“ (TV vom 31. Januar) und „Nürburgring-Skandal: Der tiefe Sturz von Ex-Minister Deubel“ (TV vom 1./2. Februar) schreibt Christine Thul:

Beschämend! Sollen wir, als rechtschaffene Bürger und Steuerzahler, nun etwa noch Mitleid mit dem Ex- Minister Ingolf Deubel haben? Dieser Mann hat den „Karren“ Nürburgring seinerzeit gehörig gegen die Wand gefahren; das Land Rheinland-Pfalz ist mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Steuergeldern eingesprungen, der Minister musste zurücktreten, und erst mal Funkstille.

Jetzt holt ihn seine Vergangenheit ein; er ist zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, muss er ins Gefängnis und würde vermutlich seine Beamtenpension von monatlich etwa 6700 Euro verlieren. Er würde nach eigener Aussage womöglich in die Privatinsolvenz rutschen und die ihm verbleibende Rente würde nicht mal mehr für seine private Krankenversicherung reichen.

Da sträuben sich mir die Haare, und ich erinnere an all die Fälle, in denen kleine Firmen, die vielleicht auch aufgrund schlechter Zahlungsmoral ihrer Kunden, durch plötzliche Erkrankungen oder tragische Schicksalsschläge ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten. Wer interessiert sich für die, wer setzt sich dort  für „mildernde Umstände“ ein? Sie durchlaufen das normale Prozedere, müssen damit klarkommen und befinden sich auch nicht in der Position, noch Wünsche zu äußern. Wer schreibt über deren Empfinden, Ängste und Bangen? Da heißt es lediglich, jeder ist seines Schicksals Schmied und für sich selbst verantwortlich, besonders bei kleinen und mittelständischen selbstständigen Betrieben. Warum soll die Justiz bei diesem Politiker, dem es jetzt ans eigene Portemonnaie geht, Gnade walten lassen?! Das kann doch nicht sein.

Herr Deubel sollte erfahren, wie es sich anfühlt, wenn ringsherum alles um ihn zusammenbricht, und er sollte auf dem Existenzminimum den Rest seines Lebens herumkrauchen, anstatt zu winseln und über sein „Luxusproblem“ seiner schwindenden Altersabsicherung zu jammern!

Das wäre mal ein aufrichtiges Zeichen der Reue gewesen, und er hätte Größe bewiesen.

Christine Thul, Detzem