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leserbriefe
Sonntagsreden und schreckliche Bilder – aber kein Plan

Politik

Zur Berichterstattung über die Afrika-Reise von Angela Merkel:

Lange habe ich hin und her überlegt, ob man sich überhaupt noch trauen kann, ein Problem von einer bisher noch nicht angesprochenen Seite her anzugehen. Ich habe mich dafür entschieden, bin mir aber bewusst, nun allen Ärger der radikal Andersdenkenden auf mich zu ziehen.

Alle bisherigen (auch meinetwegen noch so gut gemeinten) Anstrengungen in Afrika werden auf lange Sicht nicht von Erfolg gekrönt sein, solange sich niemand ernsthaft und mit Nachdruck der dort anzutreffenden Bevölkerungsexplosion annimmt! Ich kann auch keine Vorschläge unterbreiten, wie es langfristig mit humanen, ethischen, medizinischen und politischen Maßnahmen zu steuern sein könnte. Jedenfalls haben die Chinesen –  ob es immer den oben angeführten Grundsätzen entsprochen hat, ist mehr als fraglich – geschafft, das Problem für ihr Land in den Griff zu bekommen. Afrika wird es dagegen nicht schaffen, eine verdoppelte Menschenmenge zu ernähren und die Existenz menschenwürdig zu gewährleisten. Man hat schon zu viel Zeit ungenutzt verstreichen lassen. Es ist unabdingbar, dass sich sowohl Politik, Wirtschaft, Kirchen, Wissenschaft und die Ethikräte der ganzen Welt dieser Problematik ernsthaft und sehr zeitnah annehmen und vor allen Dingen offen und ehrlich darüber sprechen. Die wohlhabenden Staaten können so viel Geld nach Afrika transferieren wie sie wollen, ohne diese Problemlösung wird es nichts werden! Alles andere empfinde ich als ein Rumeiern und das Füllen eines Fasses, das keinen Boden hat. Die sich ansonsten entwickelnden Probleme werden immer größer. Es ist keineswegs human, immer mehr Kinder in ein absehbares, unendliches Elend hineinzuzeugen. Die daraus entstehenden Folgen sind uns alle hinreichend bekannt. Da nützt es überhaupt nichts, immer nur schöne Berichte zu verfassen, Sonntagsreden zu halten und ganz schreckliche Bilder in unsere Wohnzimmer zu schicken. Die Bevölkerung bemerkt auch in dieser Frage, dass die Politik nicht offen und ehrlich mit dem großen Problem umgeht und nur drumherum schwätzt. Diese unter den Tisch gekehrten Riesenprobleme erzeugen unter anderen die Angst und das Unbehagen, das die Leute auf die Straßen treibt. Die Auswüchse sind jedoch unentschuldbar, ebenso aber auch die bewussten Verharmlosungen und Vertuschungen der Politiker.

Trotzdem: Respekt, Anerkennung und Dank allen, die sich bereits jetzt für die Verbesserung der Verhältnisse einsetzen. Es muss aber weit in die Zukunft gedacht und gehandelt werden; auch dann, wenn jetzt bei vielen Tagträumern ein Aufschrei erfolgt. Bei dieser Angelegenheit sind Herz und Verstand sowie Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gefragt.

Felix Assmann, Gonzerath