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Gesellschaft: Sonst keine Probleme?

Gesellschaft : Sonst keine Probleme?

Zur Berichterstattung über die Diskussion um Rassismus und das „M-Wort“ (TV vom 17. Juli) schreiben Hans-Henning Trautmann, Herbert Daufenbach und Heinrich Ewen:

Haben die sogenannten Experten in der gesellschaftlichen/politischen Randzone keine anderen Probleme oder Betätigungsfelder, als sich über eine „Mohren-Frage“ profilieren zu wollen/müssen? Ich bin mit dem „Sarotti-Mohr“ groß geworden, habe ihn weder als Kind noch als Erwachsener rassistisch eingeordnet, sondern vielmehr damit den Genuss köstlicher Schokolade verbunden. Ich kann nur hoffen, dass die Personen/Institutionen mit dem Namen „Mohr“ im Logo nicht einknicken und ewig gestrigen Zeitgenossen keine Erfolgsplattform bieten. Diese Nörgler, Besserwisser und Weltverbesserer sollten ihre Kräfte bündeln und sich den tatsächlichen Problemen unserer Gesellschaft zuwenden. Ich bin mir sicher, da finden sie im eigenen Umfeld genug.

Hans-Henning Trautmann, Konz

Ich war immer der Meinung, dass es sich beim TV um eine solide Zeitung handelt. Jetzt muss ich große Artikel über den „Mohr“ lesen. Ich empfinde das ganze Theater als großen Blödsinn und kann auch die Leute insgesamt nicht verstehen, die dort plötzlich einen Aufhänger finden.

Ich finde, es gibt wesentlich wichtigere Dinge, die angesprochen werden müssten, zum Beispiel, dass nicht wenige Kinder hungrig im reichen Deutschland in die Schule gehen müssen. Bis jetzt kann ich nicht feststellen, dass sich die Allgemeinheit darum einmal kümmert, eigentlich traurig. Oder hat der Mohr speziell in dieser traurigen Angelegenheit seine Schuldigkeit getan?!

Herbert Daufenbach, Wittlich

Das Wort „Mohr“ soll in unserem Sprachgebrauch nicht mehr vorkommen. Nun führt die Zeitung eine ganze Reihe von Orten, Straßen, Apotheken, Cafés auf, die diesen „Mohr“ in ihrem Namen tragen.

Was also tun? Ob die Gemeinde Morbach sich weiter so nennen darf? Bin gespannt, wie man das Skigebiet in der Nähe von Prüm („Schwarzer Mann“) umbenennen wird. Hindenburg soll auch nicht mehr gelten. Ich warte darauf, dass man allen Männern, die den Vornamen „Adolf“ tragen, nahelegt, sich einen anderen Vornamen zuzulegen. Kennt Deutschland sonst keine Probleme?

Heinrich Ewen, Wittlich