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Gesundheit: Sorry, das muss schneller gehen!

Gesundheit : Sorry, das muss schneller gehen!

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie, insbesondere zur schleppenden Impf-Kampagne, schreiben Jürgen Kortgen, Peter Suska und Horst Schorle:

Was ist nur los in Deutschland? Alle starren wie die Schlange auf das Kaninchen, anstatt Handlungen anzustoßen. Es wäre sicherlich jetzt der falsche Zeitpunkt, Zeit mit Regierungsumbildung zu verschwenden und damit weiter handlungsunfähig zu erscheinen. Wenn die dritte Welle kommt, warum geht das mit dem Impfen nicht voran, was die Kanzlerin erst vor einigen Tagen nochmal erwähnt hat? Besser die Punkte angehen, die Optimierungsbedarf haben.

Konkret: Für Rheinland-Pfalz betrug der aktuelle Lagerbestand (!) vor einigen Tagen laut RKI weit mehr als 100 000 Impfdosen. Was nutzen diese im Lager? Was sind denn geschätzt 15 Euro pro Impfdosis gegen die Wirtschaftsleistung, die pro Person erbracht wird. Den lokalen Impfzentren sind angeblich die Hände gebunden.

Mein Vater (85) hat einen Ersttermin zum Impfen Anfang April, den zweiten Ende Juni. Sorry, das muss schneller gehen! Priorität eins muss Impfstoffbeschaffung und Verimpfen haben. Es sind genügend Daten durch die Registrierung erfasst. Eine einfache Datenbankabfrage „Gib mir alle über 80-Jährigen für den Vulkaneifelkreis“ ist lächerlich einfach. Das gilt natürlich auch für alle anderen Prioritätsgruppen. Dann je nach vorhandenem Impfstoff an eine Teilmenge eine E-Mail schreiben, sie können in der Woche XY im Impfzentrum vorbeikommen, Impfprozess dokumentieren und fertig. Warum vertraut man nicht den lokalen Teams in den Impfzentren, dass sie die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhalten? Bitte die richtigen Prioritäten setzen, das Pferd nicht von hinten aufzäumen (Stichwort: Einschränkungen), Prozesse hinterfragen, Vereinfachen und Beschleunigen, das ist meine Forderung an die Politik und alle weiteren Beteiligten.

Jürgen Kortgen, Neroth

Endlich geimpft! Und jetzt? Debatten um Corona-Einschränkungen und kein Ende in Sicht! Seit über einem Jahr wird im Namen der Pandemie mehr oder weniger willkürlich „gelockdownt“. Impf- und Teststrategien eher weniger als mehr entwickelt. Als Zugehöriger einer sogenannten systemrelevanten Berufsgruppe erhielt ich bereits Anfang Februar meine zweite Corona-Schutzimpfung mit dem Biontec-Impfstoff. Zugegeben versprach ich mir von diesen Impfungen auch einen Schritt in Richtung Normalität, sprich etwas weniger kulturelle und sportliche Einschränkungen für mich. Schließlich habe ich über ein Jahr bereits meine wenigen Sozialkontakte außerhalb der Arbeit „gezwungenermaßen“ noch mehr eingeschränkt und meines Wissens weder eigene Symptome entwickelt, noch irgendjemanden angesteckt. Ja, ich bin der Ansicht, mich vorbildlich verhalten zu haben, obwohl dies mich sehr belastet hat.

Auch zögerte ich nur kurz, mich impfen zu lassen! Wenn es für einen absehbaren Wiederaufbau von Normalität der Herdenimmunität bedarf, sollte es nicht an mir liegen, das diese nicht erreicht wird.

Das waren meine Gedanken Anfang des Jahres! Wie stehe ich jetzt dazu, nach weiteren Monaten der Pandemie-Bekämpfung? Verfolge ich die aktuelle Diskussion in den Medien, so bin ich zunehmend enttäuscht. Anfangs hieß es, man könne in der Folgezeit immer mehr Gruppen von Geimpften ausmachen, die keine Maske mehr tragen müssten! Ja, es darf gelacht werden! Denn wie sieht die Realität aus? Der Geimpfte muss sich, um seine Persönlichkeitsrechte zurück zu erlangen, wie der Nichtgeimpfte einem Schnelltest unterziehen. Warum? Weil – angeblich – immer noch nicht geklärt ist, ob die Geimpften noch anstecken können! Was ich vermisse: Informationen, ob in diesem Zusammenhang überhaupt geforscht wird! In mir entsteht mehr und mehr der Eindruck, als ließe sich die Regierung unverhältnismäßig viel Zeit damit, dem Bürger seine „unveräußerlichen Grundrechte“ wieder zu gewähren. Und das macht mir viel mehr Angst, als eine Pandemie es je könnte! Signalisiert es doch, wie leicht es auch demokratisch gewählten Regierungen fällt, unser Grundgesetz aufzuheben, und dies auf unbestimmte Zeit! Ich befürchte, dass hiermit ein Präzedenzfall für künftige Politiker-Generationen geschaffen wurde! Und das sollte uns wirklich Sorgen bereiten!

Peter Suska, Trier

Es hat schon etwas sehr Befremdliches wenn eine große Anzahl der deutschen Medien und diverse Politiker, die noch vor einem halben Jahr hinter der EU-Corona-Impstoff-Verteilung standen und sich als Gutmenschen präsentierten, heute genau diese Verteilung verurteilen und zum Umdenken aufrufen. Sie fordern „keine Ausfuhr mehr in ärmere Länder“, solange Europa, besser noch Deutschland, nicht durchgeimpft ist. Ja, wenn sich der Egoismus Bahn bricht und es um das eigene Impfwohl geht, werden die größten Moralisten zu Hyänen. Man überzieht das Land mit Halbwahrheiten, indem man die Impfstrategie der Bundesregierung als absolutes Versagen bezeichnet, ohne einen Vergleich mit anderen Ländern anzustellen. Denn zur Wahrheit gehört, dass kein Land innerhalb der EU nach heutigem Stand mit dem Impfen weiter ist als Deutschland (vgl. de.statista.com). Die Impfstrategie der USA, die laut Angela Merkel und Jens Spahn das Kriegsrecht aktivierten, um keine Impfstoffe an andere Länder – zum Beispiel in Südamerika – abgeben zu müssen, wird gelobt und als Vorbild betrachtet (Anm. der Red.: Die Aussagen von Merkel und Spahn waren irreführend und sind dank Recherchen von Journalisten inzwischen widerlegt – es gibt in den USA keinen „War Act“).

Ebenso die Strategie Großbritanniens, dessen Premier man noch vor Monaten als nicht zurechnungsfähig verteufelte, wird nun auch in unseren Breiten zum Helden, weil er die Vorteile des Brexit nutzt und den Impfstoff im eigenen Land behält. „Bah, wat habt ihr für einen fiesen Charakter ...“ möchte man mit Lehrer Bömmel aus der „Feuerzangenbowle“ diesen Menschen zurufen. Der schneidige Dietmar Bartsch von den Linken, von dem man außer Rücktrittsforderungen an die Kanzlerin nicht viel Sachdienliches zur Pandemie erfährt, fordert Angela Merkel auf, die Vertrauensfrage zu stellen. Ja, hat denn der Fraktionsvorsitzende der Linken nicht den Mumm, in einer Allianz aus Linken, AfD und FDP ein konstruktives Misstrauensvotum einzuleiten? Es wäre interessant zu sehen, wie die Medien auf diese Allianz reagieren würde.

Wir sollten dankbar sein für das bisher Erreichte, wenn man bedenkt, wie lange es zur Entwicklung eines Impfstoffs normalerweise braucht. Und ich bin auch froh, dass die EU und die Kanzlerin mehr auf Humanität als auf nationale Egoismen setzten.

Horst Schorle, Ingendorf