Sozialer Sprengstoff

Anscheinend über Nacht entdeckt die Politik, dass es in der deutschen Gegenwart eine Unterschicht gibt. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind nun in Berlin angesagt. Woher sollen denn sonst die 2,5 Millionen Kinder, die in "Armut" leben, kommen?

In der Tat eine soziale Schieflage im Lande des Exportweltmeisters. Auf der einen Seite haben wir eine Zunahme von Armut zu verzeichnen, dem gegenüber steht eine wachsende Zahl von Reichen. Die 30 deutschen Dax-Unternehmen steigern in einem Jahr ihre Gewinne um sagenhafte 35 Milliarden Euro und bauen im gleichen Zeitraum 35 000 Arbeitsplätze ab. Manager-Gehälter explodieren (teilweise abgesegnet durch Aufsichtsräte, in denen auch Gewerkschafter mit am Tisch sitzen), und die Arbeitnehmer haben Reallohnverluste zu verzeichnen. Energieunternehmen zocken eiskalt die Verbraucher ab, machen Riesengewinne und zahlen kaum Steuern. In Berlin streitet man lieber monatelang über die "Gesundheit", als die zurzeit wichtigeren Dinge anzupacken. Der soziale Sprengstoff in dieser Gesellschaft wächst stetig an, und eine Unterschicht können sich nur die Reichen leisten - noch. Jürgen Teusch, Wittlich