SOZIALES

Zur Rente mit 63 (TV vom 12. Mai):

Je lauter und heftiger das Gezeter, umso richtiger der Gegenstand dessen, hier die Rente mit 63. Angesichts des Fachkräftemangels sei es das falsche Signal, beklagen die Unternehmer. Sofern man sie politisch zuordnen kann, wird das Abgrund-Szenario aus den Wirtschaftsflügeln der drei an der großen Koalition beteiligten Parteien an die Wand gemalt. Gas geben in Richtung Abgrund, heißt es im Beitrag. Die Rente mit 63 würde die Fachkräfte der älteren Jahrgänge jetzt in den Ruhestand treiben. Nicht die Rente mit 63 treibt, sondern die fehlende Wertschätzung dieser älteren und erfahrenen Fachkräfte. In den vergangenen Jahren waren sie Dispositionsware der unternehmerischen Personalpolitik. Ich hätte da einen einfachen Vorschlag an die Unternehmer, der die "Wertvollen" zum Überlegen anregt, ob das Weiterarbeiten doch noch eine gute Alternative zum vorzeitigen Ruhestand ist: Bezahlt sie doch einfach ein bisschen besser, und zwar so, dass es sich lohnt, noch ein paar Jahre dranzuhängen! Die Anregung kann jedoch nur für die älteren Arbeitnehmer gelten, die dazu auch gesundheitlich noch in der Lage sind. Für diejenigen, die nicht mehr so können, wie sie gegebenenfalls wollen, ist die abschlagsfreie Rente mit 63 gedacht. Dass darunter auch immer ein paar Nutznießer sind, ist wohl systembedingt unvermeidbar. Ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn ein arbeitsfähiger Arbeitnehmer unter Hinnahme von Rentenabschlägen frühzeitig auf seinen Wunsch in Rente ging. Was mich jedoch seit der Rentenreform der schwarz-gelben Koalition von 1992 umtreibt, ist die Tatsache, dass diese Kürzungen auch die krankheitsbedingt früher zur Rente gezwungenen Arbeitnehmer trifft. Dass die rot-grüne Bundesregierung nach der Regierungsübernahme 1998 diesen sozialen Tiefschlag gegenüber den arbeitenden Menschen nicht zurücknahm, blieb bis heute für mich ein Ärgernis. Dass die SPD erst jetzt in der großen Koalition diese unsoziale Rentenbeschneidung mit dem bedingten Wegfall der Kürzungen abmildert, gereicht ihr, wenn auch spät, doch noch zur Ehre. Es ist zu hoffen, dass Andrea Nahles und die SPD nicht vor den Wirtschaftsflügeln von CDU, CSU und auch ihrer eigenen Partei in die Knie gehen. Egon Sommer, Tawern, Vorsitzender des SPD-Gemeindeverbands Konz