Soziales

Zum Leserbrief "Keine Vorschläge von Kinderlosen" (TV vom 12. August) und zum Betreuungsgeld:

Den Ausführungen von Anton Gelz widerspreche ich mit aller Entschiedenheit. Es ist mieser politischer Stil, wenn er im Hinblick auf Julia Klöckner schreibt: "Wer selbst keine Kinder hat, der kennt auch nicht die Sorgen der Eltern und sollte keine parteitaktischen, polemischen Vorschläge unterbreiten." Herr Gelz tut so, als sei das Betreuungsgeld vom BGH in der Sache für ungültig erklärt worden. Das ist definitiv nicht so. Es wurde lediglich festgestellt, dass der Bund ein solches Gesetz, das in die Hoheit der Länder eingreift, nicht hätte beschließen dürfen, weil Fragen der Erziehung Ländersache sind. Zur Frage, ob es den Kleinkindern im Alter von null bis drei Jahren mehr förderlich ist, bei der Mutter zu bleiben oder in einem Kinderhort oder einer Kindertagesstätte betreut zu werden, hat er sich nicht geäußert. Alle seriösen Studien zur Frage Betreuung der Kinder im Kleinkindalter durch die Mütter oder durch Kinderhorte bestätigen eindeutig, dass die Betreuung durch die Mutter in den ersten drei Lebensjahren für das Kindeswohl die beste Lösung ist. Dies ist unbestritten, wird aber von interessierter politischer Seite nicht zur Kenntnis genommen. Die Tatsache, dass es in unserer Gesellschaft Eltern gibt, die ganztägig oder in Teilzeit arbeiten wollen oder müssen und deshalb ihr Kleinkind fremdbetreuen lassen, darf nicht dazu führen, dass solche Mütter, die sich voll dem Kind widmen, in der Gesellschaft diffamiert werden (Herdprämie). Alle Eltern müssen die freie Wahl haben, ob sie ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren in Eigenregie erziehen oder es in eine Kinderkrippe geben wollen. Weder die einen noch die anderen dürfen diffamiert oder finanziell benachteiligt werden. Dies ist aber der Fall, wenn bei Wegfall des Betreuungsgeldes selbst erziehende Eltern keinen finanziellen Ausgleich dafür erhalten, dass sie den Staat um Kinderbetreuungskosten von etwa 800 Euro pro Kind und Monat entlasten. Es mutet seltsam an, dass Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in puncto Betreuungsgeld immer nur das Argument ins Feld führt, dass die Mütter schnellstmöglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurück müssten, damit die Industrie ihre Arbeitskraft wieder nutzen kann, sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren und keinen Karriereknick erleiden müssten. Dazu, ob diese Situation dem Kindeswohl förderlich ist, hört man von ihr nichts. Frau Schwesig macht sich zur Oberlobbyistin der Industrie, die viel zu wenig dafür tut, dass Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. Dr. Peter Muß, Trier