Soziales

Zum Artikel "Arbeitslose sollen zu Erziehern umgeschult werden" (TV vom 11. Juli):

"Arbeitslose zu Erziehern", klasse! 5000 potenzielle Erzieher, zunächst Praktikanten, die auf die Schnelle, im Rahmen eines "Blitz-Seminars" mit anschließendem "Jodel-Diplom" den Arbeitsmarkt stürmen. Ich freue mich schon jetzt auf die Schlagzeile: "Arbeitsloser Mechaniker repariert schwer beschädigtes Bobbycar." Auf dem Level der Kleinsten sollte es doch allemal reichen - die können doch kaum laufen und sprechen - den Erzieher zu spielen. Das schaffen die "Schleckerfrau" oder der (langzeit-)arbeitslose "Produktionsarbeiter" locker - nach einem Crashkurs in Erziehungswissenschaft. Fachlich fundierte Qualifikationen, "Fast-Food-Seminare", reichen aus! Völliger Unsinn, dass bisher eine etwa vierjährige Ausbildung oder ein Studium Voraussetzung für diese Tätigkeit waren. Wenn unser bereits beschädigtes Schul- und Ausbildungsniveau durch solchen Aktionismus so richtig ramponiert ist, eröffnen sich logischerweise ganz neue Perspektiven auch für Menschen ohne Schulabschluss. Der Langzeitarbeitslose - egal, was er gelernt oder gemacht hat - schöpft auch wieder Hoffnung: Aussitzen und Warten, bis das nächste lukrative Angebot kommt. Vielleicht erhält der "gelernte Schlosser" oder auch "ungelernte Schlosser" nach zehn Jahren Arbeitslosigkeit noch eine Einladung zum Wochenendseminar "Pfarrgemeindereferent, Schwerpunkt Gas- und Wasserinstallation"! Liebe Frau von der Leyen, lieber Herr Alt: Ich melde mich schon jetzt für den nächsten Crashkurs, für das nächste Wochenend-Seminar, um als Sozialarbeiter auf die Schnelle zum Psychologen oder Soziologen upgegradet zu werden. Alternativ stehe ich auch für einen attraktiven Job in der Politik zur Verfügung. Dort war es schon immer möglich, Ministerämter oder andere Posten zu übernehmen ohne entsprechend fundierte Qualifikation. Man ahnt und sieht, wo es hinführt. Hermann Caspary, Wittlich