Soziales

Zum Artikel "Zahl der Hartz-IV-Sanktionen gestiegen" (TV vom 21. November) diese Meinung:

Wer mit der Agentur für Arbeit noch nie etwas zu tun hatte, mag leicht denken, dass es den Hartz-IV-Empfängern zu gut geht, wenn sie den Auflagen der Arbeitsagentur nicht nachkommen und somit ihre Zuwendungen gekürzt bekommen. Ich kenne allerdings niemanden, auf den das zutrifft. In meinem Berufsleben und jetzt als ehrenamtliche Betreuerin habe ich öfter mit dieser Behörde zu tun. So habe ich mehrfach mitbekommen, dass Einladungen zu Beratungsgesprächen sehr spät eintreffen, oftmals erst am Tag des geplanten Gesprächs. Telefonisch erreicht man dann niemanden beim Jobcenter, da man mit einer 0180-Nummer nicht beim hiesigen Arbeitsamt landet. Das Betreten des Arbeitsamtes bereitet mir immer Beklemmungen, weil ich nie weiß, ob ich erfolgreich mit meinem Anliegen bin. Durchgängig ist, dass ich bei Fragen nach Zuständigkeiten für etwa einen bestimmten Antrag oder die Verlängerung einer Maßnahme von einem Büro zum anderen oder von einer Etage zur anderen geschickt werde. Oftmals werde ich empfangen: Sie müssen erst einen Termin vereinbaren. Das ist aber nicht möglich wegen der 0180-Nummer. Über diesen Weg komme ich nie weiter. Da ich mich mittlerweile nicht mehr abwimmeln lasse, klopfe ich an der nächsten Tür und lasse mir wieder sagen: Wir sind nicht zuständig, versuchen Sie es in der nächsten Etage oder vereinbaren Sie einen Termin. Da ich aber den Termin zur Antragsstellung einhalten muss, gehe ich von Tür zu Tür. Meistens habe ich dann doch Glück und finde eine nette Sachbearbeiterin, einen netten Sachbearbeiter oder Beraterin, Berater, die/der mir weiter hilft. Dabei mache ich die Erfahrung, dass auch die Angestellten nicht wissen, wo sie sich hinwenden müssen. Doch für die hilfsbereiten Mitarbeiter ist es einfacher, sich in ihrer Behörde durchzufragen. Wie sollen Menschen mit weniger Durchsetzungsvermögen in dieser Behörde für sie geeignete Hilfen bekommen? Der Respekt den Hilfe suchenden Menschen gegenüber lässt bis auf wenige Ausnahmen sehr zu wünschen übrig. Margret Steinborn-Heinrich, Trier

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