Soziales

Zum Artikel "Merkel will Thema Altersarmut im Herbst angehen" (TV vom 8./9. September):

Da schraubt man die Berechnungsgrundlage der Renten um fast zehn Prozent nach unten, um dann festzustellen, dass ein Arbeiter, der 35 Jahre lang 2500 Euro brutto verdient hat, eine Rentenerwartung von 680 Euro hat und damit unter dem Existenzminimum lebt. Da raten die schlauen Politiker besonders den Geringverdienern dazu, unbedingt privat vorzusorgen! Das ist für mich ein absoluter Hohn, eine Frechheit. Was glauben die Politiker eigentlich, was ein Geringverdiener am Monatsende noch übrig hat, angesichts der immer höheren Preise für den Lebensunterhalt, ganz zu schweigen von den endlos steigenden Energiekosten und Sozialabgaben? Sogar Familien und Menschen mit mittleren Einkommen können die Lebenshaltungskosten kaum noch vom Einkommen bedienen. Vielleicht sollten die Politiker auch mal einige Jahre mit 2500 Euro brutto auskommen müssen, um noch mal der Realität ins Auge zu sehen. Ich rechne mal, was ich denn eigentlich für eine Kaufkraft von einem verdienten Euro übrig habe. Ein Euro abzüglich Lohnsteuer plus Sozialabgaben etwa minus 35 Cent, blieben noch 65 Cent, kaufe ich davon ein, bezahle ich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bleiben also 53 Cent. Kaufe ich bestimmte Sachen, wo zusätzliche Abgaben (Mineralölsteuer, Alkoholsteuer, Ökosteuer) anfallen, bleiben weniger als 49 Cent übrig. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander, der Mittelstand, der so wichtig für die Erhaltung unseres Sozialnetzes ist, entfällt bei dieser Entwicklung bald vollständig. Das heißt, wir brauchen unbedingt weniger Reiche, weniger Geringverdiener, aber weitaus mehr Stärkung der Mittelschicht. Weniger Steuern, mehr Kaufkraft, weniger Steuerabgaben als Anreiz für private Rentenvorsorge zum Beispiel. Diese Anregung kommt von einem "dummen Steuerzahler" aus dem normalen Leben. Reinhard Elsner, Prüm