Soziales

Zum Artikel "Noch keine Einigung beim Betreuungsgeld" (TV vom 14. September):

Der Rechtsanspruch auf einen einklagbaren Krippenplatz ab dem ersten Lebensjahr zählt zu den wichtigsten Modernisierungsversprechen für das neue Jahrzehnt und ist nicht nur ein gleichstellungspolitischer Fortschritt, sondern auch ein gesellschaftlicher Quantensprung. Junge Mütter und Väter hätten endlich die Wahlfreiheit, sich auch für Familie und Beruf zu entscheiden. Darüber hinaus wäre dies auch ein bildungspolitischer Aufbruch. Nahezu alle Bildungsforscher weisen darauf hin, dass gerade in diesem Alter der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiografie gelegt wird. Dieser Rechtsanspruch darf nicht aufgegeben werden - es muss der politische Druck wachsen, dass Bund, Länder und Kommunen endlich die nötige Infrastruktur in der frühkindlichen Bildung schaffen. Wir brauchen einen Rettungsschirm für den Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung! Der Bund muss eine Qualitätsoffensive in der frühkindlichen Bildung mitfinanzieren - Ausbau der Kitas und bessere Rahmenbedingungen in Kitas statt Betreuungsgeld. Die 1,6 Milliarden Euro (steigend), die bisher vom Jahre 2013 an für das Betreuungsgeld vorgesehen sind, müssen in den "qualifiziert umgesetzten und begleiteten" Rechtsanspruch auf Bildung, Erziehung und Betreuung in Krippen und Kitas investiert werden. Letztendlich muss sich auch hier die Bundesregierung entscheiden: Will sie gute Bildung in Krippen und Kitas für alle Kinder garantieren? Oder will sie Eltern mit 150 Euro davon "abhalten", einen Platz für ihr Kind in einer Bildungseinrichtung wahrzunehmen? Kommt das Betreuungsgeld und scheitert der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, wäre das in der Tat eine gesellschafts- und bildungspolitische Katastrophe! Erni Schaaf-Peitz, Wittlich, Erzieherin/Leiterin und als Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ehrenamtlich tätig