1. Meinung
  2. Leserbriefe

Politik: Spiel mit dem Feuer

Politik : Spiel mit dem Feuer

Zur Diskussion über die Zukunft der Demokratie schreibt Manfred Maximini:

In vielen Begegnungen mit Trierer  Bürgern spüre ich, obwohl es der Stadt und dem Großteil der Bewohner gutgeht, ein Grummeln, eine gewisse Skepsis. Ich habe den Eindruck, dass auch Trier sich verändert und im Wandel ist. Erfreulicherweise haben wir in Trier eine sehr aktive und stabile Stadtgesellschaft. Mit Blick auf die Vorbereitungen zur Kommunalwahl im Mai 2019 fällt mir auf, dass viele Bürger das Vertrauen in die Lösungskompetenz des Rechtsstaates, das heißt in erster Linie in die Regierungen in Bund und Land, verlieren, und stattdessen Populisten und Scharfmachern hinterherlaufen.

In diesem Jahr wird unser Grundgesetz 70 Jahre alt. Das ist ein guter Anlass, uns die Errungenschaften unserer Demokratie und unserer Grundrechte wieder einmal bewusst zu machen.

Ein über die Jahre gewachsenes Unbehagen an der Politik droht in Abwendung vom demokratischen System insgesamt umzuschlagen. Es ist schlimm, wenn manche Bürger meinen, ruhig einmal radikale Parteien wählen zu können, nur um Protest auszudrücken. Wer aber glaubt, sich aus Unzufriedenheit einen vorübergehenden Flirt mit den Gegnern der Demokratie leisten zu können, der spielt buchstäblich mit dem Feuer.

Das Spiel, in dem sich linker und rechter Extremismus gegenseitig die Stichworte und Begründungen liefern, hat schon einmal eine deutsche Demokratie zerstört. Deshalb sind alle demokratischen Kräfte dazu aufgerufen, die Ursachen von Unzufriedenheit zu bekämpfen, damit das Vertrauen in die Lösungskompetenz des Staates wieder verbessert wird.

Wir sollten uns ein Beispiel an der Nachkriegsgeneration nehmen. Deren Verdienste können nicht hoch genug eingeschätzt werden, wobei die wohl wichtigste Leistung der Frauen und Männer darin zu sehen ist, dass sie die Grundlage für ein friedliches und wirtschaftlich gesichertes Zusammenleben in Demokratie gelegt haben.

Vertrauen in die Lösungskompetenz kann auf Dauer nur Wirklichkeit werden, wenn viele Menschen verantwortlich für Demokratie eintreten und sie verteidigen.

Ich rufe dazu auf, öffentlich und offensiv für den Erhalt unserer Werte einzutreten. Mit Blick auf die Europawahl müssen wir uns als Mutbürger den Wutbürgern entgegenstellen. Nach meiner Einschätzung stehen wir auch in Trier vor großen Herausforderungen, die wir als Stadtgesellschaft nur mit allen Bürgern gemeinsam leisten können.

Manfred Maximini, Trier