Leserbrief : Gemeinsame Energiewende in der EU statt deutscher Alleingänge

Energiepolitik

Zu den Artikeln „Europäische Grüne prüfen Klage gegen EU-Atompläne“ (TV vom 5. Januar) und „Brüsseler Pläne zu Atom- und Gaskraft sorgen für Empörung“ (TV vom 3. Januar):

Nun ist es anscheinend so weit. Falls Österreich vor Gericht mit seiner Klage scheitert, wird Energie aus Atomkraft und Erdgas gemäß EU-Taxonomie (Unter Taxonomie versteht man ein Verfahren oder Modell, mit dem Objekte nach bestimmten Kriterien klassifiziert, das heißt in Kategorien oder Klassen eingeordnet werden, Anm. der Redaktion) als erneuerbare Energie anerkannt und somit förderungswürdig. Ein Schlag ins Gesicht der gegenwärtigen Bundesregierung. Der Aufschrei der Entrüstung der Jung-Grünen und ihres Wirtschaftsministers schallt durchs Land. Aber war das nicht abzusehen?! Anstatt an einer gemeinsamen Energiewende in der EU zu arbeiten, wollten die Bündnis-Grünen die ganze Welt in Sachen erneuerbarer Technologie made in Germany missionieren. Und jetzt schießen selbst die engsten Partner dagegen – von den USA, China und Russland ganz zu schweigen. Man hat den Eindruck, bei den Plänen zur Energiewende waren mal wieder nur Dilettanten am Werk. Maut-Scheuer lässt grüßen.

Wir erleben gerade, wie Energiepreise explodieren. Die Pläne der Bundesregierung, nur noch auf erneuerbare Energien zu setzen, führen zu einer weiteren Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland. Gerade dies stößt doch bei der Außenministerin im Blick auf Nordstream 2 auf schärfste Kritik. Glaubt sie tatsächlich, Polen und Frankreich liefern uns Strom aus Gas, Kohle- und Atomkraftwerken zum Selbstkostenpreis und nicht zum Marktpreis?

Selbst die Preise für Pellets als Brennstoff für hochsubventionierte Heizungen, die aus meiner Sicht alles andere als nachhaltig sind, gehen durch die Decke. Der durch Subventionen geförderte erhöhte Bedarf wird wohl noch stärker dazu führen, dass nicht nur Abfallholz verarbeitet wird, sondern auch Bäume gefällt, ganze Wälder gerodet werden müssen, die dann aus fernen Ländern auf Schiffen und LKW angekarrt werden müssen.

Wie so oft deckt sich der Anspruch nicht mit der Realität. Doch um dies zu erkennen, sind gute Politik und weitsichtige Akteure vonnöten, aber davon scheinen wir meilenweit entfernt zu sein.