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Staatsknete für die Autoindustrie? Bloß nicht, sagen Bürger.

Gesundheit : Wie schamlos ist das denn?!

Zum Artikel „Bis Anfang Juni Entscheidung über Kaufanreize für Autos“ (TV vom 6 Mai) schreiben Robert Seidenath, Dr. med. Joachim Hölle-Gindorf und Janosch Hübler:

Da haben die deutschen Automobilkonzerne in den vergangenen Jahren vor allem mit ihren klotzigen SUVs im In- und Ausland Milliarden Euro gescheffelt, aber kaum sinken einmal pandemiebedingt die Produktionszahlen – zum Teil nur wegen fehlender Zulieferteile – und laufen die Geschäfte vorübergehend etwas schlechter, schon schreien sie nach Staatsknete in Form von Kaufprämien. Die Landesregierungen von Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen stehen hinter den Konzernen, die Bundesregierung scheint den Forderungen nicht abgeneigt – was zeigt, wer hier wirklich das Sagen hat.

Nun werden die derzeitigen Mindereinnahmen der Automobilkonzerne anders als zum Beispiel bei Betrieben der Bereiche Kunst und Kultur, Gastronomie, Freizeit, Tourismus und zumindest teilweise auch der Landwirtschaft absehbar bald wieder ausgeglichen sein. Autos sind eben keine Artikel des laufenden Bedarfs wie etwa Lebensmittel, die ständig verbraucht werden und ersetzt werden müssen – die meisten Leute kaufen ja nicht jede Woche ein neues Auto, weil der Aschenbecher schon voll ist. Nein, wer ein Auto kaufen will, plant dies in aller Regel schon länger – schon wegen der Frage der Finanzierung – und verschiebt den Kauf jetzt allenfalls, und wer jetzt wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit kein Geld für ein neues Auto hat, dem/der nützt auch eine Kaufprämie nichts.

Statt den Automobilkonzernen Millionen und Milliarden Euro in den nimmersatten Rachen zu werfen, sollte man das Geld besser für den ökologischen und sozialen Umbau der Verkehrssysteme verwenden: den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und den Personenverkehr und Güterverkehr auf der Schiene stärken und verbessern. Die Deutsche Bahn müsste wieder dem Gemeinwohl verpflichtet sein und am besten wieder zur Bundesbahn werden.

Robert Seidenath, Gusterath

Dieser Tage war ich zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise wieder in Trier. Da Shopping unter den derzeitigen Bedingungen keinen Spaß macht, besuchten meine Frau und ich den ungewöhnlich stillen Dom. Im Kreuzgang haben wir uns die bemerkenswerte Ausstellung „Die gegenwärtige Passion“ von Monika Stein angesehen. Sie hat mit sehr ausdrucksstarken Skulpturen die Stationen des traditionellen Kreuzweges Jesus dargestellt und mit aktuellen Bezügen verknüpft. Sehr provozierend erschien mir zunächst die 7. Station „Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz“: Statt des Kreuzes trägt der unter seine Last zusammenbrechende Jesus einen Auspuff auf seinem Rücken. Der Untertitel lautet: „Der Autoauspuff und die Verlogenheit …“ Aktueller könnte die Ausstellung nicht sein, wie sich an den Berichten über den „Autogipfel“ zeigt. Und der ist wirklich der Gipfel! Autokonzerne und ihre zahlreichen Lobbyisten fordern einmütig Kaufanreize für Autos, mit anderen Worten eine neue „Abwrackprämie“. Wie schamlos ist das denn?! Alle Autofirmen verzeichneten in der Vergangenheit Gewinne, zahlten Dividenden aus, haben Rücklagen gebildet, sogar jene, die uns alle unter Umgehung der Abgasrichtwerte betrogen haben.

Natürlich standen die Fabriken still, die Arbeitnehmer mussten Kurzarbeit leisten, das war schlimm. Aber wer gerade geplant hatte, sich einen neuen, hoffentlich umweltfreundlichen PKW zu kaufen, wird dies auch tun, eben mit zwei bis drei Monaten Verzögerung.

Wofür also benötigt die Autoindustrie finanzielle Hilfen? Die sind an anderer Stelle wahrlich notwendiger. Der Autoauspuff und die Verlogenheit …

Dr. med. Joachim Hölle-Gindorf, Trier

Den Mund braucht ganz besonders der Karikaturist, um emotionale Regungen darzustellen. Das ist nix Neues. Indem der Zeichner nämlich Mundwinkel nach oben oder unten zieht – dazwischen liegen Gefühlswelten.

Aber ein guter Zeichner hat noch viel mehr Gesichtsregungen parat. So gibt er aus seinem Knowhow jetzt besonders der gebeutelten Auto-Szene Ratschläge für den Verlauf des Beratungsgesprächs: den Vorschlag für ein Mundschutz-Lesetraining (siehe Cartoon). Die psychologische Situation eines Kundengesprächs kann transparent erfahren werden. So kann ein guter Verkäufer seine Aufmerksamkeit zielsicher ausbauen. Auch ein Kunde, der seine Gesichtszüge im Griff hat, kann jetzt besser preislich pokern. Trotzdem, die beobachtete Kaufunlust lässt sich nicht übersehen.

Janosch Hübler, Ulmen