Starkes Stück

Immanuel Bartz stellt in seinem Leserbrief der für mich überzeugenden und glaubwürdigen Kritik von Dieter Lintz zu Max Frischs Schauspiel "Andorra" eine Darstellung gegenüber, die einem glatten Verriss gleich kommt.

Die Negativ-Feststellungen darin sind so massiv, dass man das nicht widerspruchslos hinnehmen kann. Sie entsprechen auch nicht im Ansatz einer einigermaßen objektiven Betrachtungsweise. Natürlich gibt es in einer Schauspielkritik nicht die absolute Objektivität, aber schlüssig, einleuchtend und nachvollziehbar müssen die Aussagen schon sein, sonst ist die Kritik unglaubwürdig. Wenn der Inszenierung etwa für die Judenschau-Szene ein Spießrutenlaufen mit mangelnder Ernsthaftigkeit unterstellt wird, dann ist das schon ein starkes Stück. Im weiteren Verlauf des Leserbriefes heißt es: "Auch konnten die teilweise(!) überzeugenden Schauspielleistungen einzelner Akteure leider zu fast keiner Zeit die Spannung erzeugen, die nötig gewesen wäre, um die Invasion Andorras und die Judenschau-Szene glaubhaft und fesselnd darzustellen." Das Gegenteil ist richtig. War Herr Bartz vielleicht im "falschen Film"? Dieter Lintz hat recht: Was das Theater mit Frischs "Andorra" abgeliefert hat, war packend und bewegend, spannend und aktuell, überzeugend gespielt und kam beim Publikum an "wie ein Schlag in die Magengrube". Am Ende - nicht nur nach der Premiere, sondern auch in den weiteren Vorstellungen - gab's "langen Beifall vom sichtlich beeindruckten Publikum" (Dieter Lintz), nicht nur begeisternde und überzeugende schauspielerische Darstellung aller Akteure, sondern für die gesamte Inszenierung von Horst Ruprecht sowie die Bühnen- und Kostümgestaltung. Herr Bartz aber meint: "Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass man sich am Theater bemüht hat, Ideen vorhanden waren, die Umsetzung jedoch gründlich gescheitert ist." Das ist nicht nachvollziehbar. Ernst Neumann, Gutweiler