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Still und unheimlich macht sich die Feier-Unkultur breit

Still und unheimlich macht sich die Feier-Unkultur breit

Zum Artikel "Springprozession von Echternach jetzt Weltkulturerbe" (TV vom 17. November):

Für die gläubigen Christen der Eifel ist es zwar ein Hochgenuss, dass die Springprozession nun von der Unesco als Kulturgut unserer Welt anerkannt wird, aber gleichzeitig muss es vielen Christen doch wie ein Kulturschock vorkommen, wenn im Trauermonat November schon lange vor dem ersten Advent die ersten Weihnachtsmärkte gefeiert werden. Süßigkeiten und Deko-Artikel gibt es in vielen Discountern schon ab September.

Seit Jahren entwickelt sich still und fast unheimlich eine Feier-Unkultur, noch vor und sogar am Toten- (Ewigkeits-) Sonntag werden mindestens 22 Advents- und Weihnachtsmärkte in der Eifel und an der Mosel gefeiert. Während viele Bürger Gottesdienste besuchen und bei Friedhofsbesuchen an die Verstorbenen erinnern möchten, stehen andere Bevölkerungsteile im Lichterglanz der Advents- und Weihnachtsmärkte und versuchen, wettkampfmäßig die ersten zu sein, um Glühwein, Adventsgestecke und Plätzchen und Stollen zu erhaschen.

Während sich die Kirchenoberen über die Erfolge wie Weltkulturerbe, Heiligrock-Wallfahrt und den Papstbesuch in Deutschland im Jahr 2011 freuen, sollten sie traurig sein über Unsitten wie Halloween, Weihnachtsmärkte zur Trauerzeit, Glühwein-Wetttrinken, Schoko- Weihnachtsfrauen oder Osterhasen. Der schwindende Glaube an das freie Europa durch die ungeheure, erschreckende und fesselnde Macht der Geldverschwendung in Irland, Griechenland und auch bei uns darf nicht gleichzeitig blind machen vor der schwindenden Ehrfurcht vor unseren christlichen Festen.

Wir Christen sollten vereint daran arbeiten, dass mehr regelmäßige Gottesdienste, Bibelwissen und wahre Christen-Gemeinschaft angeboten werden - statt Weihnachtsmärkten im Herbst mit Glühweinkönigin und Glühwein-Wetttrinken, geschlossenen Kirchen und fehlenden Pfarrern. Wenn alles nicht klappt, sollten die Kirchen in stiller Vereinbarung mit den Discountern vielleicht neben der Karnevalszeit und der Sommerzeit als siebte Jahreszeit die Adventszeit vom 15. September bis zum 23. Dezember kreieren und für alle Sonntage "verkaufsoffen" beantragen. Dies würde neben dem Lied "Süßer die Glocken nie klingen" auch die Kassen klingen lassen und wäre auch weihnachtlich, oder ?

Ullrich Papschik, Bitburg

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