Sträflicher Leichtsinn

Zum Artikel "Forscher sehen Wetterkapriolen als Zufall" (TV vom 14. Januar):

Der europäische Winter 2010/11 ist, zumindest was seine Strenge anbelangt, ganz sicher ein Ausreißer. Aber: In der synoptischen Zusammenschau mit anderen globalen Wetterextremen der letzten Zeit (Hochwasser in Pakistan, in Australien, Starkregen in Europa und Schlammlawinen in Brasilien) ist er ebenso gewiss kein Zufall!

Eine Begründung für den hier wirkenden physikalischen Mechanismus klingt im TV-Artikel an: Die Veränderung der Meereisbedeckung und -dicke in arktischen und antarktischen Breiten ist der entscheidende Faktor.

Die Zusammenhänge mit den klimabestimmenden Meeresströmungen (Golfstrom, Benguelastrom und anderes mehr) sind allerdings äußerst komplex und nicht in wenigen Worten erklärbar. Ein Parameter (von sehr vielen) sei angedeutet: Das Schmelzwasser der arktischen und antarktischen Breiten sinkt mit steigender Temperatur in größere Tiefen, fließt in Richtung Äquator und stört dabei nachhaltig die globale Zirkulation der Ozeane. Dies wiederum bewirkt ganze Serien tiefgreifender Wetteränderungen in den angrenzenden Kontinenten, was in der Summe einen graduellen Klimawandel zur Folge hat. Wie auch immer: Das Wort "Zufall" führt zwangsläufig zu einer geringeren Akzeptanz der - angesichts der existenziellen Bedrohung - unbedingt erforderlichen Verhaltensänderung der Menschen. Man mag darüber streiten, ob zwei oder 2,5 Grad Celsius der Grenzwert der gerade noch tolerierbaren Erwärmung sind. Fest steht: Es gibt sie, diese absolute Grenze! Und es gibt die apokalyptischen Folgen für die Menschheit, wenn diese Grenze überschritten wird! Es ist sträflicher Leichtsinn - ja, man kann es ein Verbrechen nennen -, immer noch zuzuwarten und die unübersehbaren Warnungen der globalen Witterungsabläufe als Zufall abzutun!

Helmut Körlings, Traben-Trarbach

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