Strafrecht

Zum Leserbrief "Akute Verwechslungsgefahr mit dem Rotlichtmilieu" (TV vom 24./25. November):

Der Aussage, der Kleidungsstil und das Verhalten Heranwachsender provoziere sexuelle Übergriffe, möchte ich entschieden widersprechen. Natürlich sollen und müssen Jugendliche - und das möglichst von ihren Eltern - darüber aufgeklärt werden, welche Signale sie durch ihr Auftreten an ihre Umwelt senden und wie diese möglicherweise zu ihrem Nachteil missverstanden werden könnten. Auch sollten Eltern ihren Kindern nicht jeden Trend erlauben und ihnen selbst in dieser Hinsicht ein positives Vorbild sein. Wenn es aber zu sexuellen Übergriffen kommt, so trägt daran immer und ausschließlich der Erwachsene die Schuld. Er wächst eben nicht mehr heran, sondern sollte seine geistige und moralische Entwicklung abgeschlossen haben und daher wissen, dass er/sie es hier keinesfalls mit einem gleichwertig reifen Gegenüber zu tun hat, mag dieses rein äußerlich auch noch so erwachsen erscheinen und sich entsprechend präsentieren. Es kann hier nie eine Beziehung auf Augenhöhe geben, weshalb ein Erwachsener, der diese Bezeichnung verdient, eventuelle Annäherungsversuche Heranwachsender in jedem Falle ablehnen muss. Darüber hinaus ist die These, die Kleidung oder das Auftreten des Opfers stehe in einem ursächlichen Zusammenhang zu sexuellen Übergriffen, längst überholt: Es geht hierbei erwiesenermaßen viel weniger um Sexualität als um die Ausübung von Macht durch den Täter. Die Aussage, vom Opfer ja auch provoziert oder "angemacht" worden zu sein, ist eine typische Täterargumentation im Sinne von "Sie/er wollte es doch eigentlich auch!" und umso tragischer, als sie den Opfern eine beträchtliche Mitschuld zuweist. Im schlimmsten Fall bleibt das Gefühl zurück, doch nur bekommen zu haben, was man irgendwie verdient hatte. Kinder und Heranwachsende verdienen aber in erster Linie unseren Schutz und nicht ein Ausnutzen ihres Gefühls- und Hormonwirrwarrs! Sexuelle Übergriffe durch Erwachsene können nur dann wirksam bekämpft werden, wenn gesellschaftlicher Konsens darüber besteht, dass es hierfür null Toleranz und keinerlei Rechtfertigung geben kann. Verständnis für die Täter verbietet sich selbstredend ebenfalls. Petra Gottwald, Trier