STRASSENBAU

Zum Artikel "Zweifel an Sicherheit der Hochmoselbrücke bleiben bestehen" (TV vom 11. Dezember):

Die Diskussionen über den Hochmoselübergang nehmen kein Ende - ein Hauptproblem ist, dass sie ziemlich polemisch geführt werden, vor allem seitens der Gegner. Auf eine glaubhafte Begründung, warum eine einzelne Brücke den Wein auf hundert Flusskilometern verschlechtern soll, wartet die Welt bis heute. Ob die Brücke optisch ein Gewinn ist, das kann gerne diskutiert werden, da kann man geteilter Meinung sein. Und wenn man nach dem Nutzen fragt, dann darf man natürlich nicht die Anlieger fragen (die haben eher nichts davon), aber für alle, die aus der Richtung Eifelkreis kommen und Richtung Mainz wollen, für die ist die Brücke ein echter Segen. Die erbitterte Diskussion über die Standsicherheit der ganzen Brücke (inklusive der Gefährdung von Menschenleben) wird genaugenommen nur um einen einzelnen Pfeiler geführt. Ob die Brücke einstürzen würde, wenn dieser Pfeiler wegrutschen sollte, ist im unbelasteten Zustand gar nicht mal sicher, da die Brücke während des Taktvorschubs frei auskragt und dabei noch Sicherheitsreserven hat. Den fraglichen Pfeiler mit Messgeräten automatisch zu überwachen und im Alarmfall eine Ampelanlage auszulösen, kostet in Relation zum Gesamtprojekt praktisch nichts, und damit wäre eine Gefährdung von Menschenleben sicher verhindert. Die Diskussion sollte vielmehr darüber geführt werden, wie die Situation vertraglich geregelt ist, wer das Risiko trägt. Wenn die verantwortlichen Ingenieure die Standsicherheit garantieren und dies auch vertraglich über einen ausreichend langen Zeitraum abgesichert sowie über eine mögliche Insolvenz eines privatwirtschaftlichen Unternehmens versichert ist, dann können dem Auftraggeber die Details eigentlich egal sein. Entweder es hält und ist gut, oder es hält nicht und die Ingenieure und Baufirmen haften. Wenn die Verträge allerdings so gestaltet sind, dass das Risiko bei der öffentlichen Hand bleibt, dann ist das sehr, sehr dumm. Denn jeder kann alles versprechen, wenn er schlussendlich nicht dafür geradestehen muss. Stephan Brunker, Neuerburg Im Zusammenhang mit den Aussagen des Herrn Prof. Dr. Azzam zur Standsicherheit der Hochmoselbrücke sollten mindestens drei Punkte jeden denkenden Menschen stutzig machen: 1. Ein Experte, der öffentlich Stellungnahmen mit gutachterlichem Charakter abgibt, hat unbedingte Objektivität zu wahren. Wenn sich Prof. Azzam nach Durchsicht fragmentarischer Unterlagen von erklärten Brückengegnern, ohne Einholung weiterer Informationen bei den seit Jahren mit Bau und Planung beschäftigten Fachleuten, anmaßt, ein Urteil zur Standsicherheit der Hochmoselbrücke abgeben zu können, so disqualifiziert er sich damit selbst. 2. Herr Prof. Azzam hat wenige Stunden vor dem am 10. Dezember vereinbarten ersten Informations- und Diskussionstermin beim Landesbetrieb Mobilität ein Radiointerview gegeben, in dem er wiederum die Standsicherheit des Bauwerks abstreitet. Warum fand die Besprechung in Koblenz überhaupt noch statt, der Herr Professor wusste doch, zumindest nach seiner eigenen Meinung, bestens Bescheid? 3. Wenn man dann noch auf der Homepage des Lehrstuhls an der RWTH Aachen erfährt, dass das wichtigste Forschungsprojekt des Herrn Professor die Entwicklung eines Frühwarnsystems zur Vorhersage unter anderem von Hangrutschungen ist, ein System, das sicherlich unter Einsatz erheblicher Steuermittel am Ürziger Hang ausprobiert werden könnte, sollte eigentlich alles klar sein, oder? Wolfgang Zerfaß, Diplom-Ingenieur, Gutweiler

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