Strassenverkehr

Zu unseren Artikeln "Von Elefantenrennen und langen Schlangen" und "SPD fordert Überholverbot für Lastwagen" (TV vom 27./28. Juli):

Als Lastwagenfahrer erlebe ich jeden Tag den Wahnsinn auf unseren Straßen. Zu diesen "Wahnsinnigen" gehören aber nicht nur viele LKW-Fahrer, sondern auch PKW- und Motorradfahrer. Da wird an den unmöglichsten Stellen, z. B. vor Kurven und Kuppen, der Versuch unternommen, zu überholen "auf Teufel komm raus". Manchmal geht alles gut, manchmal aber auch nicht. Und jetzt sind wir LKW-Fahrer mal wieder die Bösen. Natürlich sind die sogenannten Elefantenrennen sinnlos und gefährlich. Der LKW der rechten Spur fährt seine Geschwindigkeit, und dann versucht ein Kollege, auf der linken Spur mit einer Geschwindigkeit zu überholen, für die er einen Überholweg braucht, der der Entfernung von Köln nach Berlin entspricht. Ist er dann endlich vorbei, hat er auf einer Strecke von 200 Kilometern, wenn beide Fahrzeuge das gleiche Ziel haben, keine fünf Minuten Zeit gewonnen. Wenn aber ein LKW auf der rechten Spur einen Berg hoch mit nur 50 Stundenkilometern fährt, weil das Fahrzeug beladen ist und ein Gesamtgewicht von 40 Tonnen hat, und dahinter ein leerer LKW mit 13 Tonnen Gewicht fährt, der das vorausfahrende Fahrzeug locker mit 80 Stundenkilometern und einer Überholzeit von 30 Sekunden überholen könnte, muss der zweite Wagen hinter dem ersten bleiben, weil man sich im LKW-Überholverbot befindet. Dass es aber auch viele PKWs gibt, die auf den Straßen "schnell wie eine Schnecke" sind, oft auch beim Überholen von LKW, ist nicht nennenswert. Und somit schaukelt sich der Frust auf die Schleicher hüben wie drüben gegenseitig hoch bis zum nächsten Unfall. Da wurde ein LKW von einem PKW ausgebremst, weil der PKW-Fahrer unbedingt den LKW überholen musste und dann vor dem LKW schleicht, weil man sich als PKW-Fahrer gerne die Landschaft anschauen möchte oder Angst hat, schneller als 80 Stundenkilometer zu fahren. Eine niedrige Geschwindigkeit bringt ja auch einen kurzen Bremsweg. Auf unseren Autobahnen gilt die Mindestgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Wäre es da nicht möglich, bei zweispurigen Autobahnen auf der linken Spur eine Mindestgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern einzusetzen, und damit auch LKW, die diese Geschwindigkeit beim Überholen erreichen, die Chance haben, langsamer fahrende Fahrzeuge schnell zu überholen? Robert Goergen, Oberweis Die Sommerhitze scheint einigen Politikerköpfen zu schaden, nur so ist die SPD-Forderung nach einem Sommerüberholverbot für LKWs zu verstehen. Man stelle sich die ewig langen Schlangen auf der rechten Spur vor, LKW hinter LKW, gebremst von ein paar besonders langsamen, aber besonders nervenstarken PKWs mit Wohnwagenanhang. Und an zentralen Punkten wartet dann das Bundesamt für Güterverkehr und kontrolliert die Lenkzeiten der völlig entnervten und ermüdeten Lastwagenfahrer. Und auf der linken Spur ebenfalls zähflüssiger Verkehr, bestehend aus ewig 110 fahrenden PKWs, nicht so nervenstarken Wohnwagenfahrern, gelangweilten zügigen Fahrern und innerlich rasenden Rasern. Schönes Bild! Und der Spurwechsel, Ab- und Auffahren wird zu einem echten Abenteuer. Wir gehören nicht dem Speditionsgewerbe an, fahren aber berufsbedingt zusammengerechnet täglich 200 Kilometer, auch Autobahn. Was sind dabei zwei Minuten und 35 Sekunden, wenn ein Lastwagen überholt? Die Gefährlichen auf der Autobahn sind in der Regel nicht die LKW-Fahrer, sondern PKW-Fahrer, die sich beim Autofahren entspannen, so sehr, dass sie den Verkehr nicht mehr beachten und ohne Rücksicht auf Verluste lustig ausscheren. Fahrer, die sich wild gestikulierend mit ihren Beifahrern unterhalten, und rasende Sprinter mit Firmenlogo, die einen Meter Abstand für ausreichend halten. Dagegen sind die ewig die Schallmauer durchbrechenden Kraftprotze noch harmlos. Trotzdem wird immer auf die LKW-Fahrer eingedroschen, die zum Teil freundlich aus dem Fenster winken, gibt man ihnen eine Möglichkeit zum Überholen. Der Sprinterfahrer hinter mir wünschte mir wohl die Pest an den Hals. Abschließend mag die SPD auch ihren Plan erläutern, wie die Lebensmittelversorgung, die überwiegend über Achsen erfolgt, bei Einhaltung der Lenkzeiten ohne Preissteigerung gewährleistet bleibt. Eheleute Kasper, Rockeskyll

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