Theater

Zum Artikel "Klettern auf dem Gerüst im Kopf" (TV vom 5. Oktober) und zur Trierer "Faust"-Inszenierung:

Mehr Courage, Herr Sibelius! An sich ist gegen die "Faust"-Inszenierung am Trierer Theater nichts zu sagen: Die Idee, alles im Kopf Fausts spielen zu lassen, wird konsequent durchgezogen - dass dann alles schrill und laut und exaltiert wird, kann man der Inszenierung nicht vorwerfen, wenn's drinnen im Kopf halt so aussieht. Auch dass bei dieser "Kopfgeburt" die Gegenspieler aus dem Prolog, "der Herr" und Mephisto, mit ihrem Wettstreit den Kampf zweier gegensätzlicher Figurenreihen lostreten, passt ja zum Denken in Polaritäten des Verfassers. Nachdenklich macht nur, dass durch die Inszenierungsidee des jungen Experimentierers Jakubaschk dem Stück eigentlich der Stachel gezogen wird, wenn Gretchen als eine dem Mephistophelischen widerstehende Figur die Existenz schlicht abgesprochen wird - man nennt das wohl "konstruktivistisch", aber damit macht es sich der Regisseur zu leicht. Im Kopf ist halt alles irre, und da ist es auch folgerichtig, dass das talentierte Schauspiel ensemble auf die altbewährten schauspielerischen Reflexe der "Zauberberg"-Inszenierung aus der ersten Spielzeit unter Intendant Sibelius zurückgreift. Bei all dem Talent eigentlich schade. Schade auch, dass die Trierer Rezensenten ihr Urteil wohl durch taktische Gründe beeinflussen lassen - der von der ersten bis zur letzten Minute durchkomponierten Inszenierung des "Fidelio" oder der berückenden "Zauberberg"-Adaption kann dieses Experiment jedenfalls nicht das Wasser reichen. Es bleibt zu hoffen, dass den Intendanten der Mut in der zweiten Spielzeit nicht verlässt. Luise Battenberg, Trier Nächste "Faust"-Aufführungen: 29. Oktober, 5., 11., 12., 20., 27. November im Großen Haus des Theaters Trier.