Theater

Zum Artikel "Narrenschiff vor dem Untergang gerettet" (TV vom 31. Oktober/1. November):

Sehr beeindruckend und ermutigend finde ich die Initiative von einigen Trierer Unternehmern und Privatpersonen, das auf dem Sparkurs der Stadt leckgeschlagen dümpelnde "Narrenschiff" vor dem Untergang zu bewahren. So konnte es allen Sparzwängen zum Trotz dennoch seine Uraufführung erleben. Dies freut nicht nur die am Projekt beteiligten Künstler. Nicht minder beeindruckend als diese Rettungsaktion ist das Bühnenbild von Bodo Korsig. Imposant und auch ein wenig bedrohlich reckt sich ein Wald aus entlaubten, weiß bemalten Ästen und bildet eine beinahe schon surreal anmutende Kulisse für Sven Grützmachers Inszenierung. Das Bild weckt sofort eine unverrückbare Assoziation: Es erinnert an die Installation mit dem Titel "500 + 1 Pilgerstäbe" von Bernhard Maria Müller und der Medard-Schule Trier, die über viele Wochen hinweg das Stadtbild im Umkreis der Heilig-Rock-Wallfahrt prägte. Sie ist in Teilen auch heute noch am südlichen Stadteingang zu bewundern. Das Projekt ist in einem Fotobildband dokumentiert. Es wird den Künstler und die Schüler der Medard-Schule freuen, dass ihr Werk möglicher Weise die Inspiration des Künstlers Bodo Korsig beflügelte und diese Idee damit auch Eingang in den Bereich der darstellenden Künste nimmt. Eines wird hierin deutlich und gibt Anlass zu Hoffnung: Die Trierer Kulturszene lebt, allen Kürzungen zum Trotz! Sie bildet ein ebenso komplexes wie sich gegenseitig befruchtendes Geflecht, dem Bühnenbild Korsigs gar nicht unähnlich. Bernhard Maria Müller wird die profanierende Adaption seines Werks freuen. Diese Art von Austausch enthält auch eine Hommage an ihn, und schließlich sind Korsig und Müller bestens vertraut, nicht nur in im Kreis der Kulturschaffenden, sondern auch über die direkte Zusammenarbeit. Die einstmals als "Werbeträger" für die Wallfahrt eingesetzte Installation taugt sehr wohl auch als augenfälliger Hinweis auf die Uraufführung. Warum nicht? Die Pilgerstäbe inspirieren nicht nur Wallfahrer, sondern auch Künstler. Bodo Korsig ist jedenfalls ein überaus beeindruckendes und wie ich finde sehr gelungenes Bühnenbild geglückt. David Pensé, Trier Anm. d. Red.: "Das Narrenschiff" ist eine Uraufführung des Trierer Stadttheaters; es segelt an folgenden Terminen durchs Große Haus: 11., 16. und 23. November, 1., 7. und 18. Dezember, 27. Januar und zum letzten Mal am 2. Februar. Zu dem Stück des Trierer Tanztheaterdirektors Sven Grützmacher mit Musik von Claudio Monteverdi bis Rammstein gibt es jeweils eine Werk einführung.