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Zum Artikel "Dornröschen im Gruselkabinett" (TV vom 19. Dezember) und zur Zukunft des Trierer Stadttheaters:

"Dornröschen, wo bist Du?" - diese Frage hörte man in der Pause von vielen Kindern. Aber beginnen wollen wir vor der Premiere. Im Foyer sah man eine Anzahl von Kindern im "Märchenalter", die mit den Eltern oder Großeltern zum Erlebnismärchen in der Vorweihnachtszeit gekommen waren. Aber schon in der Pause waren die Gesichter der Kinder nachdenklich gestimmt. Neben mir stand ein Großelternpaar mit zwei kleinen Mädchen im Vorschulalter, die Oma und Opa fragten: "Wann kommt endlich Dornröschen?" Und die Frage wurde im gesamten Stück nicht beantwortet. Wenn man als Theaterbesucher kein Abo-Besitzer ist, sondern in der Zeitung gelesen hat: "Dornröschen im Stadttheater", dann will man den Kindern oder den Enkeln eine Freude bereiten zur Vorweihnachtszeit. Aber daraus wurde nichts. Dealer und andere merkwürdige Gestalten waren auf der Bühne zu sehen, die Musik von Tschaikowsky wurde von anderen musikalischen Einlagen stark zersetzt. Es ist selbstredend, dass die Zuschauerzahl noch mehr zurückgehen wird, wenn die Theaterleitung weiterhin solche Versuchsballons startet. Hätte man die Aufführung unter eine andere Überschrift gepackt, wären an diesem Abend sicher mehr zufriedene Gesichter zu sehen gewesen. Hoffen kann man nur, dass die verantwortliche Leitung des Stadttheaters für die kommende Spielsaison nicht noch größere Experimente anbietet. Gerhard Haase, Gusterath Wenn man den Artikel liest und die entsprechende Vorberichterstattung im Kopf hat, beschleicht einen das Gefühl, dass das Theater einen kräftigen Griff ins Klo getan hat. Es wurde ganz offensichtlich eine für das Abonnentenpublikum zu anstrengende Interpretation im letzten Moment geradegebügelt. Ganz offensichtlich zu spät, um selbiges noch kurzfristig in die Premiere zu locken. Stattdessen muss man den Eindruck gewinnen, dass Angestellte vom Intendanten als Publikum verpflichtet wurden (drohte man ihnen gar mit Rauswurf?), und diese viele Bekannte, möglichst junge, überreden sollten, sie zu begleiten. Angst vor der eigenen Courage? Sorry, aber so geht das nicht! Diese Posse ist Sinnbild für die Konzeptionslosigkeit des Theaters Trier, für die fehlende strategische Ausrichtung, was diese Stadt eigentlich will. Entweder man geht den eingeschlagenen, mutigen Weg bis zum Ende, wohin das auch immer führen wird, oder man bedient weiterhin das Abo-Publikum, was in spätestens zehn Jahren aus rein biologischen Gründen nicht mehr anwesend sein wird. Dieser Eiertanz muss endlich aufhören. Dieses "Schauspiel" ist mal wieder nur ein Beispiel für das trierische Lavieren in der Theaterfrage. So wird das nix! Na ja, immerhin steht das Theater für immobilieninteressierte Projektentwickler auf einem lukrativen Grundstück. Stadtrat, übernehmen Sie! Wilfried Spiekermann, Wincheringen