Forschung: Tippi-Tippi bringt die Volkswirtschaft nicht voran

Forschung : Tippi-Tippi bringt die Volkswirtschaft nicht voran

Zum Artikel „Maschinen wiederholen menschliche Fehler“ (TV vom 13. Juli) schreibt Prof. Dr. Walter Hower:

Dieser Beitrag ist erst mal lobenswert, auf jeden Fall das Thema; auch inhaltlich gibt er dem Leserkreis eine grobe Orientierung. Den Ausführungen der Autorin möchte ich ergänzend einige weitere Aspekte hinzufügen: Im zweiten Abschnitt schreibt sie, KI basiere oft auf Algorithmen. Hier muss man unterscheiden zwischen Herangehensweise und Ergebnis; man kann auf algorithmischem Wege Verblüffendes erzeugen oder auf nichttraditioneller Art Einfaches. (Natürlich gibt‘s auch noch die beiden anderen Kombinationen, wobei eine davon hier langweilig ist und die dann noch verbliebene sowohl Chancen als auch Risiken birgt, etwa auf dem Terrain Autonomes Fahren.) Basis seien große Datensätze –  richtig. Nur sollte klar sein, dass rein algorithmisch kein neues explizites (bestenfalls nur implizites, vom Inhalt her bereits vorliegendes) Wissen erzeugt wird; das jedoch wiederum wird für Exploratives, Vorausschauendes dringend gebraucht. Und dann ist man typischerweise nicht mehr in der reinen Welt der Algorithmen (mit Korrekt- und Vollständigkeit),  sondern liegt im Rest,  den man vielleicht via Deep Learning ergründen muss.

Im Fortgang des Artikels geht es noch um zum Teil für abwertend gehaltenes Daten-Material. Dies wird man, wie geschildert, nicht verhindern können; man denke nur an Auto-Bots, Computer-Programme, die automatisch tendenziöse Web-Logs füllen (zum Beispiel zur zielgerichteten Meinungsbildung).

Hier hilft keine sich unnötig hochschaukelnde Technik-Aufrüstung, sondern nur Bildung, mindestens gesunder Menschenverstand.  Wenn ich die Diskussion zur Digitalisierung der Schulen verfolge, dann wird mir angst und bange. Gute Schulen sind anscheinend diejenigen mit einer hohen Dichte an Geräten wie Netbooks, Tablets, Handhelds. Deren Nutzung frisst nicht einfach nur Zeit; währenddessen sicher kaum tiefe Einsichten in Wissens-Zusammenhänge vermittelt werden.

Die Schüler wären in der Anwender/Konsumenten-Rolle; mit „Tippi-Tippi“ jedoch bringen wir unsere Volkswirtschaft nicht voran, sondern würden folglich im Ausland erdachte Technologien kaufen – eine unnötige und riskante Abhängigkeit.

In Deutschland scheinen wir gut im Messen zu sein, fast alles Messbare wird auch evaluiert; ob die Parameter sinnvoll sind oder nicht. Bildungs-Einrichtungen lassen sich jedoch über Hardware-Quotienten sicher nicht bewerten.

Anstatt auf Quantitatives zu fokussieren sollte man das Qualitative, hier das Grundsätzliche, in den Vordergrund rücken: gute Lehrer, förderliches Arbeitsklima, et cetera. Was es braucht, ist logisch trainierter Verstand (um etwa Fake-Blogs nicht blind vertrauend aufzusitzen).

Künstliche Intelligenz ist besser als natürliche Dummheit, für viele/s zumindest der erste Schritt ...

Dipl.-Inform. Dr. Walter Hower, Professor für Informatik und Grundlagen der Mathematik, Albstadt-Ebingen