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leserbriefe
Total versagt

Zum Artikel „Bedrückend und beschämend“ (TV vom 14. September) und zu weiteren Beiträgen über den Missbrauchsskandal schreiben Peter P. Elsen, Ulla Dieninghoff und Paul R. Woods:

Solange keine unabhängige Einrichtung (Staatsanwaltschaft) die Sexualdelikte in der Kirche lückenlos aufklären darf, bleibt der gesamte Klerus schwer belastet. Sogar die Glaubwürdigkeit als moralische Instanz ist arg beschädigt. Leider scheint auch der aktuelle Papst in die weltweite Vertuschung involviert zu sein. Sicher ist hier auch unser Staat gefordert.

Die Verfahrenskosten und Zahlungen an die Opfer sollten durch die Täter und aus keinem Kirchenbudget erfolgen.

Peter P. Elsen, Trier-Ruwer

Mich beängstigt und zugleich macht es mich auch wütend, wenn ich mir vorstelle, dass immer noch so viele Sexualstraftäter (Priester) unter uns leben. Stellen Sie sich vor, vielleicht auch in Ihrer Gemeinde wird gerade jetzt wieder ein Kind missbraucht …

Die Folgen für die Opfer, physische und psychische Leiden, meist ein Leben lang. Viele sind so schwer traumatisiert, dadurch auch suizidgefährdet und haben dies schon oft in die Tat umgesetzt.

Deshalb hat die Kirche die moralische Verpflichtung, endlich die Namen der vielen Täter preiszugeben, damit sie von einem öffentlichen Gericht ihre gerechte Strafe bekommen. Die katholische Kirche glaubt, ein erhobener Zeigefinger und das Beten von drei Vaterunser  wäre Strafe genug.

Aber auch die Mitwisser der schrecklichen Verbrecher müssten zur Verantwortung gezogen werden. Es ist von großer Wichtigkeit, dass alle Opfer von sexueller Gewalt ihre Peiniger bei der Polizei anzeigen.

Besonders erwähnen möchte ich, dass so viele Menschen sich mit den Missbrauchsopfern solidarisiert haben, indem sie aus der katholischen Kirche ausgetreten sind. Hoffentlich treten noch mehr verantwortungsvolle Bürger aus. Auf jeden Fall kann jeder von uns dazu beitragen, dass die Kirche in Zukunft nicht agieren kann, wie sie will. Ich denke, die katholische Kirche versteht nur diese Konsequenz. Bischof Stephan Ackermann hat als Missbrauchsbeauftragter immer beteuert, er wird für die Aufklärung alles tun. Doch er hat total versagt.

Ich hoffe nur, dass die Wissenschaftler und Forscher sich weiterhin nicht abhalten lassen, ihre wichtige Arbeit fortzuführen und es nicht wieder so endet wie bei ihrem Vorgänger, dem Kriminologen Christian Pfeiffer.

Ulla Dieninghoff, Morbach

Missbrauch von Minderjährigen begangen von katholischen Priestern und Laien – was gibt es sonst noch Neues? Denn spätestens seit Jürgen Bartsch, der in einer Einrichtung der Salesianer Don Bosco vor mehr als 50 Jahren zu dem Menschen wurde, der später mehrere  Kinder umbrachte, hätte jedem bewusst sein müssen, was die katholische Kirche, aber nicht nur sie, an Verbrechen an Minderjährigen beging.

Wenn der Bischof Marx nun sagt  „Wir haben ihnen nicht zugehört“, dann vertuscht er schon wieder. Es wurde zugehört, was bei Akteneinsicht durch Außenstehende bekannt geworden wäre. Die Opfer wurden eingeschüchtert, gar bedroht, und bestenfalls mit Almosen abgespeist. Bereits beim Runden Tisch zur Heimerziehung zeigten sich die Kirchenvertreter als Bremser und Verharmloser. Einer Prüfergruppe den unmittelbaren Zugang zu den Akten zu verweigern und die Namen der Täter zu verschweigen – das zeigt, dass die Kirche nicht bereit ist, sich grundlegend zu ändern.

Paul R. Woods, Neumagen-Dhron