Landwirtschaft: Totaler Blödsinn

Landwirtschaft : Totaler Blödsinn

Zum Leserbrief „Vollkommen unverständlich“ (TV vom 4. Dezember) schreibt Andreas Steinberg:

Die Zuschrift von Ulrike Möhn ist einer der Gründe, weswegen die Bauern auf die Straße gehen, nämlich die dauernde unsinnige Diskreditierung durch Leute, die nicht wissen, wovon sie reden. Dabei werden die vorgetragenen Stereotype nicht dadurch wahrer, dass sie permanent wiederholt werden.

Zur Sache: Kein Mensch, weder Politiker, sei es von der CDU/CSU oder anderen Parteien, noch Bauernpräsidenten, noch irgendwelche anderen Funktionäre haben irgendeinem Landwirt jemals gesagt, dass er wachsen oder weichen müsse. Solche Aufforderungen brauchen die Landwirte gar nicht, denn sie sind selbst in der Lage, zu entscheiden, ob, und wenn ja wie, ihr Betrieb weitergeht. Jeder Bauer ist irgendwann vor die Frage gestellt (oft vor der Betriebsübernahme von den Eltern), ob er weitermacht oder nicht.

Viele Bauern treffen dann die Entscheidung, weiter zu wirtschaften. Das aber nur unter der Voraussetzung, dass in den Betrieb investiert wird, um dauerhaft einen Lebensstandard zu sichern, der sich am Lebensstandard der sonstigen Bevölkerung orientiert. Die anderen, die nicht investieren wollen, aus welchen Gründen auch immer, geben den Betrieb auf. Die frei werdenden Flächen übernehmen andere Landwirte (wer denn sonst?). Das nennt man Strukturwandel und ist nichts Ungewöhnliches. Anfeindungen wie die von Frau Möhn erleichtern den Bauern die Entscheidung auszusteigen. Sie fördert damit den Strukturwandel, den sie eigentlich kritisiert.

Subventionen, die die Anlage von Grünstreifen fördern würden, um „die Artenvielfalt an Insekten und Vögeln zu erhalten“, sind zwar wünschenswert. Gleichwohl haben die Landwirte auch ohne diese Hilfe bundesweit viele hundert Hektar solcher Blühstreifen angelegt.

Kein Landwirt quält seine Tiere zu Tode. Mit toten Tieren ist nämlich kein Geld zu verdienen. Im Gegenteil, den allermeisten Landwirten liegen ihre Tiere sehr am Herzen. Was bitte, Frau Möhn, sind antibiotikaverseuchte Nutztiere? Ich habe in den letzten Jahren Tausende Ställe von innen gesehen, aber niemals solche Tiere. Und dass die Krankenkassen irgendwas damit zu tun hätten, ist totaler Blödsinn. Für den Einsatz von Antibiotika gibt es bis zur Schlachtung Wartezeiten, die auch eingehalten werden. Zudem werden alle Schlachttiere am Schlachthof über den Hemmstofftest auf Antibiotika untersucht. Der Anteil positiver Ergebnisse dabei geht gegen null.

Regelmäßige Subventionen für die Tierhaltung gibt es nicht. Die EU subventioniert nur landwirtschaftliche Flächen. Übrigens gehören BUND und Nabu zu den Empfängern der höchsten Subventionen aus dieser Quelle. Und so weiter. Wenn Bauern den Aufstand gegen den von Kritikern wie Frau Möhn verbreiteten Unsinn planen würden, dann wäre der an der richtigen Stelle.

Andreas Steinberg, Seffern