Trierer Nachwehen

Seine Trierer Zeit inklusive des berühmten Namensvetters muss den neuen Erzbischof von München und Freising stark beeindruckt haben. Ende des Jahres erscheint Reinhard Marx' neuestes Buch. Der Titel: Das Kapital.

Trier. (sey) Schon rein äußerlich gibt es Parallelen zwischen den beiden "Marxisten" Karl und Reinhard: Beide kennzeichnet der Vollbart, wenn auch der des katholischen Kirchenmannes ein wenig gepflegter aussieht als der des längst verstorbenen Atheisten. "Ich bin Marx, aber nicht Karl, der Kommunist", soll sich der (damals noch weitgehend unbekannte) Priester früher vorgestellt haben, um gar nicht erst Gefahr zu laufen, Opfer einer Verwechslung zu werden. Etliche Jahre und ein Trier-Intermezzo später sucht der inzwischen zum Erzbischof von München und Freising beförderte Gottesmann sogar die Parallelen: Anfang November erscheint im Münchener Pattloch-Verlag ein Buch, das den gleichen Titel trägt wie das weltberühmte Standard-Werk seines Namensvetters: Das Kapital. Und auch inhaltlich steht der jüngere Marx dem älteren in nichts nach, wenn man der Vorankündigung des Verlags glauben darf: "Nie triumphierte das Kapital schamloser als heute. Die Armen werden ärmer und die Reichen immer reicher." Klingt eher nach Karl als nach Reinhard. Aber der Autor sei "kein bärtiger Revoluzzer, sondern der kämpferische Bischof", heißt es. In Zukunft wird man wohl fragen müssen, welcher Marx gemeint ist, wenn von Kapitalismuskritik, Marx und Trier die Rede ist.