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Leserbriefe
Tun Sie Ihre Pflicht!

Zum Artikel „Historische Vorbilder schrecken eher ab“ und zum Kommentar „Ein verlorenes Jahr“ (TV von Silvester) schreibt Manfred Maximini:

Die Ergebnisse der Bundestagswahl haben uns deutlich gezeigt, dass die Politik offensichtlich die Probleme vieler Menschen nicht wahrnimmt oder nicht adäquat darauf eingeht. Mit Blick auf die schleppenden Koalitionsverhandlungen ist besorgniserregend und bedauerlich, dass die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung von den politisch Verantwortlichen  nicht ernst genommen wird. Man hat den Eindruck, dass derzeit bei CDU/CSU und SPD nicht Problemlösung, sondern Parteipolitik im Mittelpunkt steht.

Gemeinsam hält man an Zielen fest, die man allein nie verfolgt hätte. Man kann nur hoffen, dass nicht nur erkannt, sondern endlich auch danach gehandelt wird, dass ideologische Grabenkämpfe niemandem nützen. Je weiter sich die Verantwortlichen von den Sorgen und Nöten der Menschen entfernen, umso stärker werden „Heilsversprecher“ wie die AfD.

Wer unter diesen Umständen eine große Koalition verweigert, denkt leider nicht über die Konsequenzen seines Handelns nach. Sigmar Gabriel als Außenminister ist der Beweis dafür, dass man auch als Juniorpartner in einer großen Koalition gute Arbeit leisten kann. Es gibt kein Bündnis ohne Risiken. Allen Skeptikern einer große Koalition (auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer) kann man nur raten, schnellstmöglich umzudenken und das Prinzip „Verantwortung für unser Land und die Menschen“ zum Leitmotiv zu machen.

Ohne unbedingt ein Fan von Angela Merkel zu sein, muss man neidlos anerkennen, dass Deutschland unter ihrer Kanzlerschaft in vielen Bereichen eine beeindruckende Leistung vorzuweisen hat. Nur wenn es gelingt, diese positive Entwicklung zu festigen und wenn möglich noch auszubauen, können wir verhindern, dass dumpfer Populismus, Demagogie und Angstmacherei weiteren Raum und Gehör finden.

Gemeinsam stehen die Politik und die Bürger in der Pflicht, unser Land durch eine stabile Regierung auf einen sicheren Weg in die Zukunft zu führen. Sachpolitik statt Parteipolitik ist gefragt. Man kann den Verhandlungsführern bei der Regierungsbildung nur zurufen:  Tun Sie Ihre Pflicht!

Manfred Maximini, Trier