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Überbordende Spielfreude

Überbordende Spielfreude

Zum Artikel "Eleganz triumphiert über Eiseskälte" (TV vom 11. Januar) und zur "Faust"-Oper am Trierer Theater:

Einspruch, geschätzter Kritiker, gegen die Behauptung, Lászlo Lukács' Französisch sei geeignet, "seinen Gegenspieler Valentin auch ohne Degenstoß niederzustrecken". Das ist zwar witzig, aber nicht gerechtfertigt. Da muss etwas klargestellt werden.

Es gibt eine phonetisch richtige Aussprache des französischen Gesangs, und die beherrscht unser Mephisto makellos. Und es gibt eine Tönung, eine Färbung, einen "Akzent", der jedem Muttersprachler von Kindesbeinen an gehört und von dem der eine sich später besser, der andere weniger gut freimachen kann. Bei Ungarn ist das besonders stark ausgeprägt, kann aber durchaus als sympathisch empfunden werden (auf der Versammlung der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft, von der derselbe TV berichtet, war eine schöne Gelegenheit dazu). Darauf kommt es überhaupt nicht an, und wir sollten dabei nicht päpstlicher sein als der Papst.

Lukács' Artikulation hat den großen Vorteil, dass man die Worte nahezu immer versteht, ob auf Französisch, Deutsch oder Italienisch, was längst nicht bei jedem Sänger so ist, auch nicht bei Muttersprachlern. Für den Rest sind wir uns einig: Er war von einer überbordenden Spielfreude!

Prof. Dr. Hartmut Köhler, Trier

Anm. d. Red.: Hartmut Köhler höchstpersönlich hat die Protagonisten der Trierer "Faust"-Produktion in der französischen (Aus-)Sprache trainiert.

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