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leserbriefe
Übler Taschenspielertrick

Zur Berichterstattung über Wohnungsmangel, die steigenden Mieten, verschiedene Gerichtsurteile und die Mietpreisbremse schreibt Dr. Dieter Everz:

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ebenso verhielten sich die Nebenkosten, die bei der Anmietung einer Wohnung entstehen. Vor allem bei kleinen Wohnungen wirkt sich dies enorm aus. Dies ist oder wird für viele Menschen ein zunehmendes Problem. Doch all das Jammern und Lamentieren nutzt wenig, man sollte eher eine Analyse der Ursachen betreiben:

Die Preise von Häusern als auch deren Baukosten und damit der Wohnraum sind sogar exorbitant gestiegen, dies hat unter anderem seine Ursache in ständig steigenden Löhnen und Materialkosten.

Man möge mich nicht falsch verstehen, ich finde es richtig und fair, dass Arbeiter für ihre Arbeit einen angemessenen Lohn erhalten. Doch der Anstieg der gestiegenen Löhne und Materialien verteuert das Bauen und Renovieren und somit zwingend auch die Mieten. Ein staatlicher Eingriff führte unweigerlich zu mehr Pfusch am Bau und der Beschäftigung „illegaler“ Arbeiter.

Des Weiteren vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht von neuen Urteilen der Verwaltungsgerichte lesen, in denen die Rechte der Mieter gestärkt werden. Diese Urteile meist zu Ungunsten der Vermieter sind sicherlich ein weiterer Grund dafür, dass sich Vermieter durch höhere Mieten „absichern“ beziehungsweise Investoren vor Neubauten zurückschrecken.

Nur ein Beispiel aus der letzten Zeit: Ein Mieter verpflichtet sich beim Einzug in eine Wohnung, diese beim Auszug zu renovieren.  Beim Auszug renoviert der Mieter trotz seines Vertrages die Wohnung nicht. Der Vermieter glaubt sich im Recht und klagt, doch das Gericht bestätigt dem Mieter, dass er trotz des Vertrages nicht zur Renovierung verpflichtet ist.

Jeder, der Wohnungen vermietet, weiß heute von schrecklichen Vorfällen zu berichten: Sachbeschädigung, Lärm, Mietnomaden, erschwerter Eigennutzung, Nichtzahlung von Mieten, Drogenkonsum in den Mieträumen et cetera. Dieses Verhalten führt auch dazu, dass Hausbesitzer vorhandenen Wohnraum nicht anbieten, was unweigerlich auch zu Verknappung und Verteuerung des vorhandenen Wohnraumes führt.

Wenn nun Justizministerin Katarina Barley überlegt und einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg bringen will, in dem zukünftig die Grundsteuer B als auch andere Nebenkosten nicht mehr im Rahmen der Nebenkostenabrechnung für angemieteten Wohnraum in Ansatz gebracht werden können, so hätte dies verheerende Wirkungen: Die Wohnungseigentümer würden dann diese Kosten alleine tragen müssen. Da dies nicht sein kann und sein wird, werden diese Kosten folglich nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten den Mieten zugeschlagen.

Ein übler Taschenspielertrick: Frau Barley versucht dem Mieter (Wähler) zu sagen, dass das Mieten damit billiger würde, was natürlich nicht wahr sein wird.

Dr. Dieter Everz, Trier