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Ulrike Möhn: Nicht vermischen, was nicht zusammengehört

Leserbrief : Nicht vermischen, was nicht zusammengehört

Landwirtschaft

Zu den Artikeln „Bauern fordern Umdenken in derAgrarpolitik“ (TV, 24. März) und „Die EU-Agrarpolitik geht in den Krisenmodus“ (TV, 25. März):

In diesem Artikel vermengt und vermischt Herr Zelder Dinge, die nicht zusammengehören. Ich zitiere: „Stell dir vor, es kommt kein Gas und Öl mehr aus Russland, es ist Juli, Regen ist angekündigt, du willst Weizen dreschen, hast aber keinen Diesel und deine Ernte wird komplett verregnet.“ Zitat Ende.

Dieses Szenario wäre dann eine Folge des unsäglich grausigen Krieges, den Herr Putin gegen die Ukraine führt. Es wäre keine Folge der neueren Düngemittelverordnung, des EU- Green Deals oder der Farm-to-Fork-Strategie. Hier werden von Manfred Zelder und Stefan Fiedler (Vorsitzende der Kreisbauernverbände Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm) aus meiner Sicht ganz bewusst Ängste geschürt. Deutschland leidet doch nicht an Lebensmittelknappheit. Wo kommen denn die Millionen Tonnen Lebensmittel in den deutschen Mülltonnen her?

Bereits vor diesem Krieg sind die Bauern doch schon 2021 aus meiner Sicht gegen fast jede wirklich notwendige Maßnahme für mehr Umweltschutz, Artenschutz und Schutz der Biodiversität mit ihren Riesen-Traktoren auf die Straße gegangen. Schon damals hat es nicht gepasst. Jetzt sollen die dringend notwendigen Agrarreformen gleich ganz neu überdacht werden. Herr Fiedler fordert mehr unternehmerischen Freiraum. Ja, den hatten die Landwirte doch aus meiner Sicht mit allen CDU-/CSU- Landwirtschafts-Ministerinnen und Ministern doch wirklich sehr lange. Die Folgen sind deutschlandweit bekannt: Massentierhaltung, Monokulturen, überdüngte kaputte Böden, Schadstoffe im Grundwasser, Insekten- und Bienensterben, aussterbende Feld- und Wiesentiere und ebensolche Vögel. Die Aussage des EU-Agrarexperten Martin Häusling im Artikel vom 25. März bringt es auf den Punkt: „Das Paket der Kommission ist mehr lobbygetrieben als von Vernunft getragen“ Zitat Ende. Mit dem allseits bekannten „Immer weiter so“ wird keine Zukunft in Zeiten katastrophaler klimatischer Veränderungen gestaltet.