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Umstrittene Impfpflicht: Notwendig, überfällig oder eine Zumutung?

Leserbrief : Allgemeine Impfpflicht: Notwendig, überfällig, eine moralische Verpflichtung oder eine gesundheitliche Zumutung?

Corona

Zu den Artikeln „Länder fordern Klarheit bei der Impfpflicht“ (TV vom 10. Dezember), „Erste Corona-Impfpflicht in Deutschland zeichnet sich ab“ (TV vom 8. Dezember), „1:0 für Kant“ (TV vom 10. Dezember) sowie zum „Zitat des Tages“ (TV, 29. November):

Nun gibt es unter anderem ja wieder verschärfte Regeln für den Besuch in Bars, Restaurants und Sportstätten. Auch Geimpfte und Genesene müssen dort, wo nicht dauerhaft Masken getragen werden können, einen negativen Test vorlegen oder vor Ort machen. Ein erhöhter Aufwand zweifellos, doch ich bin bereit, diesen zu tragen. Alleine um ein Zeichen zu setzen. Um mir meine Belohnung zu holen dafür, dass ich mich nicht der Solidarität entziehe, dass ich mein Möglichstes dazu tue, um nicht auf der Intensivstation zu landen und dort ein Bett zu blockieren. Ich bin nicht bereit, auf große Teile „eines normalen Lebens“ zu verzichten wegen der zu vielen freiwillig Ungeimpften. Deren Hoffnung auf eine Rückkehr in ein Leben ohne Beschränkungen kann doch eigentlich nur auf zwei Dingen beruhen: Das Virus verschwindet wieder so, wie es gekommen ist – was es nicht tun wird. Oder es finden sich doch noch genug Menschen, die sich impfen lassen. Der Genesenenstatus ist wohl eher kein Ziel.

Ich empfinde es unverantwortlich, sich Corona-Impfungen zu entziehen und noch zu kritisieren. Es wäre von der Politik längst an der Zeit, hier die allgemeine Impfpflicht zum Wohle der Gesamtbevölkerung einzuführen. Aber hier zeigt sich mal wieder die Unfähigkeit unserer Politiker, schnell und rechtzeitig zu reagieren oder schnell entsprechend zu handeln. Oder will man die Pandemie weiter ausufern lassen?


Über das im TV vom 29. November auf der Titelseite wiedergegebene Zitat von Cem Özdemir bin ich entsetzt (Das Zitat lautet: „Das Tabu Impfpflicht darf kein Tabu bleiben. Wir werden nicht zulassen, dass diejenigen, die an Wissenschaft glauben, die nicht dran glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, weiterhin leiden müssen unter denjenigen, die glauben, dass sie Sonderrechte genießen“, Anm. der Red.).

Ich kann es kaum glauben, dass ein führender Politiker einer demokratischen Partei unser zu Recht hochgelobtes Grundgesetz (GG) auf diese Weise entwürdigt und verunglimpft, denn Grundrechte wie das durch Artikel 2, Absatz 2 GG geschützte Recht auf körperliche Unversehrtheit sind keine „Sonderrechte“, als die sie Herr Özdemir hinstellt. Diejenigen, die dieses Grundrecht wahrnehmen, tun dies nicht, weil sie „glauben, dass die Erde eine Scheibe“ sei, sondern weil sie gute, faktenbasierte Gründe dafür haben.

Das sind: die bereits nach vier bis sechs Monaten nachlassende Wirksamkeit der bisherigen Impfstoffe, die zunehmende Zahl der Impfdurchbrüche (362.000 Fälle, Stand: 9. Dezember, RKI), die hohe Zahl (über 172.000; bei insgesamt 107,88 Millionen Impfungen, Anm. d. Red.) der an das Paul-Ehrlich-Institut bis 30. September 2021 gemeldeten Verdachtsfälle von unerwünschten, teils schwerwiegenden Nebenwirkungen (mehr als 21.000) und Verdachtsfälle von tödlichen Nebenwirkungen (über 1800, ohne Dunkelziffer) sowie die möglichen Langzeitfolgen einer mRNA-Impfung, über die mangels vorhandener Datenbasis aus meiner Sicht niemand, auch kein Arzt und erst recht kein Politiker eine valide Aussage machen kann. Über die Wirksamkeit und Sicherheit dieser im Eilverfahren entwickelten und daher nur bedingt zugelassenen Impfstoffe kann man also geteilter Meinung sein. Die aus meiner Sicht von Herrn Özdemir betriebene Verunglimpfung von Menschen, die bei nüchterner Abwägung des Für und Wider einer Impfung für ihre Person zu einem anderen als dem von ihm gewünschten Ergebnis kommen, ist daher unangebracht und lässt Rückschlüsse auf die Toleranz dieses Politikers gegenüber Andersdenkenden zu.

Wer jedoch Andersdenkende verunglimpft und unsere Grundrechte als der Beliebigkeit unterliegende Sonderrechte ansieht, muss sich fragen lassen, inwieweit er noch auf dem Boden unseres Grundgesetzes steht, und hat sich als Kandidat für das Amt eines Bundesministers meines Erachtens selbst disqualifiziert.

Als Reaktion auf Millionen Bürger, die das Impfen verweigern, erinnert Martin Bewerunge im TV-Artikel „1:0 für Kant“ an ein richtiges Verhältnis zwischen den Rechten und den Pflichten eines jeden Bürgers und bezieht sich auch auf den „Kategorischen Imperativ“ des Philosophen Immanuel Kant: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ Ohne Pflichten ist kein Staat zu machen, schreibt Bewerunge weiter.

Donnerwetter! Ein großer Beitrag zur rechten Zeit.