Unglück : Unbegreiflich

Zur Berichterstattung über die Amokfahrt in Trier schreiben Peter Schuh, Werner Janssen, Gerd Jung, Jean-Luc Montamat, Friedhelm Enser und Elmar Probst:

Mit „Katastrophe“ hat Volksfreund-Redakteurin Verona Kerl das Geschehen vom 1. Dezember in einem Beitrag treffend charakterisiert. Sie befindet sich in guter Gesellschaft. Paul Schlesinger, der als Gerichtsreporter der „Vossischen Zeitung“ bis zu seinem Tod im Jahr 1928 unzählige Strafverfahren begleitet hat, bringt es in seinem Beitrag „Der Mensch, der schießt“ auf den Punkt: „Wann der Mensch tötet, ist so wenig vorauszusehen wie der Zeitpunkt, wann der Blitz einschlägt. Aber die Bedingungen unter denen die Natur gegen die Menschen wütet, sind nachträglich oft leichter zu erklären als der gewaltsame Ausbruch des Stückes Natur, das sich Mensch nennt.“

Wut, Entsetzen und tiefe Traurigkeit werden die Trierer noch lange begleiten. Die Tat bleibt unbegreiflich. Was wir als Bürger leisten können, ist Solidarität. Ich bin zuversichtlich, dass zahlreiche Spenden unter Beweis stellen werden, dass Trier zusammenhält.

Peter Schuh, Trier

Als stolzer Trierer Junge habe ich in den Medien von dieser schrecklichen und vollkommen unverständlichen Tat erfahren. Ich lebe seit 50 Jahren in Steinfurt im schönen Münsterland. Hier in Münster hatten wir ein vergleichbares und fassungslos machendes Ereignis, das ich bis heute nicht vergessen habe.

Und nun dies in meiner Geburtsstadt, in die es mich und meine Familie jedes Jahr wieder hinzieht. Genau in diese für uns so idyllische Innenstadt. Meine Frau und ich sind mit ganzem Herzen und Mitgefühl bei allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und hoffen mit tröstenden Worten helfen zu können. Sobald uns Corona wieder erlaubt zu reisen, ist unser erstes Ziel meine geliebte Heimatstadt Trier. In Gedanken bei allen verbleiben wir, daen Trierer Jong und Frau.

Werner Janssen, Steinfurt

Die Amokfahrt im Herzen von Trier hat mich und meine Angehörigen tief erschüttert. Wir sind in Gedanken bei allen Familien, die Tote und Verletzte zu beklagen haben und sprechen den Betroffenen unser tiefes Mitgefühl aus.

Da der Täter psychische Probleme haben soll, appelliere ich an Klinikfachärzte, Pflegepersonal, zuständige Behörden und auch Nachbarn, psychisch Kranken mehr Aufmerksamkeit zu schenken, damit die mit ihrer Krankheit möglicherweise Alleingelassenen nicht zur „Zeitbombe“ werden.

Gerd Jung, Seesen/Harz

Man könne solche Taten nicht zu 100 Prozent verhindern, man könne eine Innenstadt nicht komplett absichern, sagte der Trierer Oberbürgermeister. Ich bin anderer Meinung. Es ist sehr wohl möglich, die Fußgängerzone mit entsprechenden Mitteln abzusichern. Zum Beispiel sind in Frankreich sehr viele Fußgängerzonen mit festen und versenkbaren Pollern gesperrt. Die autorisierten Lieferfahrzeuge können diese Poller mit einer speziellen Fernbedienung versenken. Sobald sie drüber gefahren sind, gehen diese automatisch hoch und blockieren wieder den Weg. Die Technik ist da, man braucht nur einmal zu investieren. Man würde auch dabei die Sperrung mit Betonblöcken am Weihnachtsmarkt sparen!

Jean-Luc Montamat, Gusterath

Wenn man eine Lehre aus diesem Horror ziehen will, dann die, dass die Fußgängerzone komplett für den Auto-Verkehr gesperrt werden muss. Und zwar sofort, und gänzlich. Lieferverkehr aus allen Zufahrtsstraßen nur noch bis 8.30 Uhr, danach alle Straßen mit Pollern abriegeln. Was hat der Individualverkehr zum Beispiel mittags vor der Ampelanlage Porta Nigra/Simeonstraße zu suchen? Nix. Kurz und knapp: Autoverkehr raus aus der Innenstadt.

Friedhelm Enser, Trier

Ich melde mich in dieser dramatischen, schrecklichen Zeit für die Stadt Trier aus Leonberg unmittelbar bei Stuttgart. Als 56-jähriger Trierer lebe ich zwar aus beruflichen Gründen seit 20 Jahren nicht mehr in meiner Heimatstadt, bin aber so oft es geht vor Ort – denn Heimat bleibt, egal wo ein Mensch sich ein neues Zuhause aufbaut. Zudem leben meine Eltern noch in Trier, meine ältesten Freunde sind weiterhin mit ihren Familien dort, wo ich gelebt habe, bis ich 36 war.

Ich liebe meine Heimatstadt und doch habe ich mich Trier niemals näher gefühlt als in diesen Tagen. Ich bin in Gedanken in der Stadt und bei den Menschen – bei denen, die ihre Liebsten verloren haben, die verletzt sind, bei denen, die diese schrecklichen Bilder verarbeiten müssen, weil sie Augenzeugen der unfassbaren Tat waren oder als Einsatzkräfte anschließend Unvorstellbares geleistet haben, und ich bin bei allen Triererinnen und Trierern in nah und fern. Denn der Schock, die Trauer und der Schmerz verbinden uns wo auch immer wir sind.

Mit Tränen in den Augen sehe ich die Bilder der Kerzen und Blumen vor der Porta Nigra. Ich bin tief bewegt, wenn der Oberbürgermeister Wolfram Leibe nicht als Politiker und Chef der Stadtverwaltung, sondern als Mensch auftritt und die richtigen Worte findet, während er selbst mit seinen Emotionen kämpft.

Alle Triererinnen und Trierer, egal ob sie noch an der Mosel sind, oder ob sie der Lebensweg woanders hingeführt hat, stehen so eng wie nie zusammen. Denn unsere Heimatstadt ist schwer verletzt worden, und das schmerzt jeden von uns zutiefst. Ich bin froh und dankbar, von der Solidarität der Menschen zu erfahren und wünsche allen viel Kraft und Zuversicht beim Bewältigen dieses furchtbaren Ereignisses.

Und nicht zuletzt danke ich Ihnen für die Berichterstattung, die für mich eine wichtige Informationsquelle ist - und ich weiß, dass es auch Sie bei aller journalistischen Arbeit emotional belastet, was an Bildern und Informationen zu verarbeiten ist.

Ich habe am Donnerstag um 13.46 Uhr im Büro, so wie die Menschen in der Stadt, in Stille der Opfer gedacht.

Herzliche, bewegte und stille Grüße nach Trier.

Elmar Probst, Leonberg