Unbequem und kritisch

Traditionell haben Bundespräsidenten zu repräsentieren und üben weniger Amtsgewalt aus, das ist ja auch so im Grundgesetz verankert. Sie müssen dennoch alle neuen Gesetze (und das sind nicht gerade wenige) abzeichnen.

Wer will es Horst Köhler verdenken, wenn er prüft, was er denn da unterschreiben soll, auch oder gerade, weil eben nicht alles bis zu Ende gedacht und auf jedes Detail im Gesetzgebungsverfahren ge- und beachtet wurde. Auch in der Vergangenheit haben sich Bundespräsidenten in die Tagespolitik eingemischt, wenn sie es für angemessen hielten. Nur weil Horst Köhler kein "gelernter" (und dadurch unbelasteter) CDU-Politiker ist, hat er seinen gesunden Menschenverstand nicht an der Tür zum Schloss Bellevue abgegeben. Er versteht sich als Anwalt aller Deutschen und ist eben zum Leidwesen von manchen Parteifreunden oder/und SPD-Regierungsmitgliedern keine Marionette, der man die Hand bei der Unterschrift führen kann. Er ist unparteiisch. Unser Bundespräsident macht seinen "Job" gut. Unbequem und kritisch ist eben nicht unbedingt schlecht, im Gegenteil! Weiter so, Herr Köhler! Manfred Seer, Trier