Unerträglicher Vergleich

Unerträglicher Vergleich

"Statt Mauern sollen Brücken gebaut werden", fordert der Bamberger Erzbischof Schick. Kurz darauf sprengt der Eichstätter Bischof Hanke die Brücken, die zwischen der katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinschaft aufgebaut wurden.

Sein historisch falscher und deshalb für die Opfer der Schoah unerträglicher Vergleich zwischen der Situation der Palästinenser mit der der Juden im Warschauer Ghetto hat zurecht einen Aufschrei quer durch die Gesellschaft ausgelöst. Vom Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz gab es prompt eine Klarstellung der unsäglichen Kommentare. Die Klarstellung ist aber nur eine Anreihung von politisch korrekten Äußerungen, hinter denen sich jetzt einige Bischöfe verstecken. Die ungeplanten und im Vorfeld nicht vorbereiteten Äußerungen einiger Bischöfe haben gezeigt, was sich wirklich in ihren Herzen abspielt. Auch Bischof Marx hat in seinem Interview gezeigt, dass er leider nicht verstanden hat, worum es den Kritikern geht. Der Kommentar von Damian Schwickerath verkennt ebenso die Intention der Mahner. Ja, es ist antisemitisch, wenn man die Ermordung von einer halben Million Menschen im Warschauer Ghetto mit der heutigen Politik Israels vergleicht! Dies offen zu artikulieren wird man mit den Begriffen wie "Auschwitz-Keule" oder "Antisemitismus-Reflex" nicht unterbinden können. Papst Johannes Paul II. hatte ein echtes Bedürfnis nach einer Annäherung zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum. Er trieb diesen Prozess, der durch das zweite Vatikanische Konzil ausgelöst worden war, weiter voran. Auch Papst Benedikt XVI. hat in seiner Rede in der Kölner Synagoge gezeigt, dass er um den Dialog bemüht ist. Leider zeigten die deutschen Bischöfe aber kein Fingerspitzengefühl. Ich muss mich als Jude in Deutschland fragen, wie lange es denn noch dauern soll, bis einige Bischöfe verstehen, wie sie - auch mit der eigenen schwarzen Vergangenheit der katholischen Kirche - richtig umzugehen wissen. Daniel Botmann, Trier Anm. d. Red.: Daniel Botmann ist Vize-Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden.