1. Meinung
  2. Leserbriefe

Katholische Kirche: Ungeheuerlich

Katholische Kirche : Ungeheuerlich

Zum Leserbrief „Notfalls ohne Priester“ (TV vom 30. November/1. Dezember) schreibt Dr. Ernst Schneck:

Die freie Meinungsäußerung in Ehren. Aber die Leserbriefe von Josef Berens aus Rommersheim werden immer unerträglicher.

Man muss kein blinder Verteidiger der Bistumsreform sein, um zu erkennen, dass sein letzter Beitrag vor theologischem Unsinn, historischer Unwahrheit, persönlicher Beleidigung und wüster Verschwörungstheorie nur so strotzt. Ich will nur die Spitzen dieser Unerträglichkeiten antippen:

Theologischer Unsinn ist es, zu behaupten, eine Pfarrei brauche keinen eigenen Priester. Denn: Wo kein Priester, da keine Eucharistiefeier entsprechend dem Abendmahlsauftrag Jesu, und wo keine Eucharistie, dort auf Dauer keine kirchliche Gemeinde. Genau an dieser Stelle müsste übrigens der schwierige Erneuerungsprozess der Kirche weitergeführt werden: in der Frage, wie die Eucharistie „zwischen unseren Häusern“ bleibt – mit allen Konsequenzen für die Zugangsvoraussetzungen zum Priesteramt, zu denen vor der Zölibatsfrage und der Frauenordination die Art der Vorbereitung (akademisch?) und die Form der Ausübung (hauptberuflich?) des priesterlichen Dienstes gehören.

Historische Unwahrheit ist, das Christentum habe jahrhundertelang ohne Priester funktioniert. Diese Aussage ist so wahrheitsfrei, dass Herr Berens sie unmöglich ernsthaft wird belegen können. Auch die Rede von „über Generationen fruchtbar wirkenden Pfarreien“ und „frommen früheren Pfarreien“ mag einem idealisierten Wunschideal entsprechen – mit der Realität der Vergangenheit hat sie in dieser Pauschalisierung wenig tun.

Als persönliche Beleidigung des Bischofs empfinde ich den Vorwurf, er sei „ein scheinbar selbstherrlicher Bischof“ und wolle nur den „Kahlschlag“ und den „Abwärtstrend“ der Kirche organisieren. Immerhin steht da „scheinbar“, und die Sprache ist nicht ganz so verächtlich wie oft schon in früheren Leserbriefen. Aber der Vorwurf steht im Raum. Das Ringen auf der Synode, die unzähligen Beratungen des Bischofs in Gremien und Konferenzen scheint Herr Berens nicht wahrzunehmen. Wozu auch?

Eine wüste Verschwörungstheorie ist die Vermutung: „Vielleicht spielen aber auch finanzielle und materielle Interessen des Bistums eine Rolle.“ Dieser Vorwurf ist ungeheuerlich, weil er finanzielle und materielle Interessen des Bistums in der Bistumsreform voraussetzt und diese den Pfarreien gegenüberstellt. So sät man Zwietracht! Hat Herr Berens wirklich schon mal einen Blick in das Umsetzungsgesetz vom 9. Oktober 2019 geworfen? Oder in das Synodenpapier?

Sieht er überhaupt die jahrelangen Mühen der Synodalen und der vielen verantwortungsbewussten (ich spreche von den ehrenamtlichen!) Christen, die in der Synoden- und in der Umsetzungsphase Zeit und Energie investiert haben, weil sie in durchaus schmerzhaften Prozessen erkannt haben, dass es im alten Stil nicht mehr weitergeht?

Ungeheuerlich, solch ein Leserbrief! Aber wie oben geschrieben: alles freie Meinungsäußerung. Also: auf ein Neues, Herr Berens!

Dr. Ernst Schneck, Diakon, Synodaler, Trier