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Bildung: Unglaubwürdig, wenn nicht lächerlich

Bildung : Unglaubwürdig, wenn nicht lächerlich

Zur Berichterstattung über Schule in Corona-Zeiten schreibt Claudia Jirka-Köcher:

Seit einem Jahr hören wir das Lamento der Bildungsminister: „Schule ist wichtig für die Kinder! Bildungsgerechtigkeit! Wir müssen die Schulen öffnen! Mit mir gibt es keine Schulschließungen!“ Doch was passierte seit zwölf Monaten? Nichts! Lüften, Durchzug, Fenster öffnen, Abstand halten – das ist eine Farce. Wenn man nach einem Jahr Pandemie immer noch kein Konzept hat, aber gebetsmühlenartig diese Slogans wiederholt, macht man sich unglaubwürdig, wenn nicht lächerlich. Wenn ich einen Platz in der Außengastronomie haben möchte, muss ich mich anmelden und Maske tragen. Wenn ich einkaufen gehen möchte, dann ein Kunde pro 40 Quadratmeter Ladenfläche, aber wenn ein Lehrer unterrichten soll, dann gehen auf einmal mehr als zehn Personen in einen Raum von 30 bis 50 Quadratmetern ohne Plexiglaswände, Lüftungsgeräte, Abstandsgebot. Mir ist nicht bekannt, dass Kinder und Lehrer weniger Atemluft ausstoßen und so weniger Virenlast in den Raum gerät. Man redet von den Kosten, die der „Bildungsverlust“ (verlorene Generation) verursachen wird …

Dann tun Sie doch endlich das, was nötig ist: zweimal wöchentlich testen, Lehrer impfen, Lüftungsgeräte anschaffen. Wer Kinder wochenlang im Durchzug sitzen lassen will, in Gruppen, wo das Abstandsgebot kaum einzuhalten ist, wer damit nicht nur Lehrer und Familien gefährdet angesichts der ansteckenderen Virusvarianten, dem können die Familien und Kinder nicht wirklich „am Herzen liegen“. Haben Sie sich einmal in den vergangenen zwölf Monaten gefragt, mit welchem Gefühl Kinder und Lehrer unter diesen Bedingungen im Unterricht sitzen? Vermutlich nicht, denn wer im warmen Büro sitzt, Lüftungsgeräte zur Verfügung hat, braucht sich darüber keine Sorgen machen. Wie wäre es denn mit einem Konzept für sichere Schulöffnungen:

1. zwei Mal wöchentlich alle Schüler – Lehrer vor Ort testen, anstatt einmal,

2. alle Lehrer impfen, damit diese nicht gefährdet sind oder das Virus nicht an die Schüler weitergeben können,

3. Anschaffung von Lüftungsgeräten oder Lüftungsanlagen – dies wäre auch bei einer Grippewelle in Zukunft sicherlich hilfreich.

Alle Bildungsminister haben sich in der Pandemie bisher nicht mit Ruhm bekleckert, sondern ihr Unvermögen gezeigt und die billigste aller Lösungen eingesetzt, ohne Rücksicht auf Ängste oder gesundheitliche Bedenken der Betroffenen. Lehrer wollen unterrichten, aber sicher. Kinder wollen Schule, aber sicher. Eltern wollen Schule für ihre Kinder, aber sicher!

Wenn es mit den Impfungen so langsam weitergeht, steht den Kindern und Lehrern ein weiteres „verlorenes“ Jahr bevor!

Claudia Jirka-Köcher, Hupperath