Unglaubwürdig

Pünktlich zum Herbstbeginn haben auch die Bewohner von Trier-Mariahof Post von den Stadtwerken bekommen. Darin wird ihnen lapidar mitgeteilt, dass die Stadtwerke ab 1. Oktober den Arbeitspreis für Fernwärme um 9,3 Prozent erhöhen.

Für sehr viele Bewohner des Stadtteiles bedeutet diese Erhöhung eine erhebliche finanzielle Belastung. Zur Erinnerung: am 1. Oktober 2005 wurden die Preise um 14,3 Prozent und am 1. Januar 2006 um 10,3 Prozent erhöht. Also innerhalb von zwölf Monaten haben die Stadtwerke den Arbeitspreis für Fernwärme um 37,7 Prozent erhöht. Die Begründung für die Erhöhung liest sich wie eine Kopie der wöchentlichen Wehklageanzeigen der Energieversorger. Also: nichts sagend und unglaubwürdig. Denn natürlich fehlt auch beim Schreiben der Stadtwerke Trier die den Kunden rechtlich (Paragraph 315, BGB) zustehende völlige Offenlegung der Kalkulation. So weit, so schlecht, aber eine Frage bleibt noch zu stellen. Wo sind die Einsparungen geblieben, die durch das neue Heizkraftwerk auf Mariahof erzielt werden? Vor einem Jahr war im TV zu lesen, dass die Stadtwerke eine Kraft-Wärme-Kopplung (Blockheizkraftwerk) auf Mariahof installiert haben. Grund: Diese neue Anlage habe einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent und bringe eine Primärenergieeinsparung von rund 25 Prozent. Diese Entscheidung war aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes gut und richtig. So weit, so gut, aber was passiert mit den erzielten Einsparungen? Die Zwangsbezieher der Fernwärme auf Mariahof haben leider nicht die Möglichkeit, sich Alternativen zur Fernwärmeversorgung auszusuchen. Die Stadtwerke sollten sich nicht am Verhalten der großen Energiekonzerne orientieren, sondern ihren Kunden gegenüber Ehrlichkeit beweisen und die Kalkulationen offen legen. Darin müssten dann auch die Einsparungen durch das neue Blockheizkraftwerk auftauchen. Oder? Zum Glück bleibt auch bei dieser Preiserhöhung den Kunden der Rechtsweg offen. Auf jeden Fall ist es eine Überlegung wert. Dieter Bergemann, Trier