1. Meinung
  2. Leserbriefe

Finanzen: Ungleich verteilt

Finanzen : Ungleich verteilt

Zur Berichterstattung über das Corona-Konjunkturpaket schreibt Daniel Karl:

Mit „Wumms“ will die SPD das Land aus der Corona-Krise führen. Besser wäre, die Menschen nachhaltig vor den sozialen Folgen zukünftiger Krisen zu schützen. Das Konjunkturpaket leistet hierzu keinen Beitrag. Eine der Lehren dieser Krise ist wohl, dass es auf die wirklich essenziellen Dinge ankommt. Dazu gehören neben der Gesundheit bezahlbare, verfügbare Nahrungsmittel ebenso wie die eigene Wohnung.

Wer seine eigenen vier Wände besitzt, kann in Krisen gelassener bleiben. Dies zeigte sich in der Vergangenheit in Süd- und Osteuropa, wo Eigentumsquoten von 80 bis 90 Prozent die Regel sind. In Deutschland wohnen nur 50 Prozent der Menschen in der eigenen Wohnung (85 Prozent würden gerne), obwohl dies der Schlüssel zur Lösung aller Fragen ist, etwa Altersarmut.

Die Regierung könnte mit einem gewaltigen Aufkaufprogramm von Wohnungen bei gewerblichen Vermietern starten, sie an Privatpersonen weiterverkaufen, die Hypotheken bei Geringverdienern absichern. Gewerbliches Vermieten wird ein Auslaufmodell, Wohnen wirkliches Grundrecht. Der Vorteil wäre, dass der Angestellte genauso profitiert wie der Solo-Selbstständige in der Kultur, der nun wieder leer ausgeht.

Auch in der Krise bevorteilt die politische Elite stattdessen die Immobilieneigentümer. Der IWF hatte 2019 festgestellt, dass das Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt ist. Zudem ist der Deutsche relativ arm, die mit Hunderten Milliarden Euro geretteten Griechen besitzen im Schnitt mehr Vermögen.

Das Maßnahmenpaket wirkt so, als sollte 15 Jahre Nichtstun der Regierung Merkel in vielen Bereichen mit der damit verbundenen internationalen Rückständigkeit in 15 Monaten aufgeholt werden. Dies wird schon an der Regelungswut scheitern, aber ohne ein nachhaltiges Krisenkonzept, wo die eigene Wohnung fester Bestandteil ist, werden sie verpuffen. Und die nächste Krise kommt bestimmt!

Daniel Karl, Igel