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Unkontrolliert flatterndes Handgelenk

Unkontrolliert flatterndes Handgelenk

Zum Artikel "Zwei Solisten im Duett" (TV vom 11. November) erhielten wir diese Zuschrift:

Die Rezension von Verena Schüller wird den Künstlern weder im Lob noch im Tadel gerecht und beschreibt Schwächen, die nicht in dem Maße gegeben waren wie dargestellt und zudem andere Ursachen hatten.

Roberto Alagna hat sich als ausdrucksstarker Sänger mit glanzvoller, in allen Registern ausgewogener, raumfüllender Stimme dargestellt. Sein angedeutetes Bühnenspiel war der Konzertsituation durchaus angemessen. Obwohl der sehr jugendlich wirkenden, bildhübschen Nathalie Manfrino tatsächlich ein hoher Schlusston nicht so qualitativ gelungen ist, hat sie eine sehr schöne, recht große Stimme und hat sich neben Alagna stimmlich wie künstlerisch behauptet und war ihm eine (fast) ebenbürtige Partnerin. Gerade in den ersten Duetten führte Alagna sozusagen Regie und lenkte mit kollegialer Diskretion Manfrinos ebenfalls angedeutetes Bühnenspiel.

Völlig unverständlich erscheint mir die Begeisterung Frau Schüllers für den in der Tat sehr jungen Dirigenten Michael Francis. Wenn einige Duette eine allerdings nicht mit Verdi vergleichbare emotionale Emphase vermissen ließen, so sicherlich auch wegen des wenig inspirierenden, allein schon durch das unkontrolliert flatternde Handgelenk die nötige gestische Disziplin entbehrenden, oft ungenauen Dirigates. Seine schnellen Tempi, "bei denen er sich mit jugendlichem Elan auf seinem Podium austoben konnte", erschienen eher unreflektiert und von einer bedauerlichen stilistischen Unbedarftheit.

Zur Interpretation der bis zur Fratzenhaftigkeit gehetzten Ouvertüre zu Verdis "La forza del destino" fehlen mir die Worte. Kleine Ungenauigkeiten im Zusammenspiel des Orchesters waren allein schon durch diese Experimente unvermeidlich. Dass dieses trotzdem noch so gut durch das Konzert kam, spricht für seinen hohen Rang. In dieser Hinsicht schließe ich mich der Einschätzung Frau Schüllers an.

Das "kuriose vierteilige Zu gabenpotpourri" war nicht frei von Übermut, jedoch in seiner Menschlichkeit sehr sympathisch. Wirklich verstehen kann das nur jemand, der weiß, welche gewaltigen Emotionen einen Künstler bewegen, der bei rauschendem Applaus mit Standing Ovations auf ein sehr gelungenes Konzert zurückblicken kann.

Adrian Nuca, Trier

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