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Soziales: Unnötige Aufregung

Soziales : Unnötige Aufregung

Zum Artikel „Zum Verzweifeln!“ und zum Kommentar „Absoluter Irrsinn“ über die Situation von Pflegekindern in Rheinland-Pfalz (TV vom 17. Mai) schreibt Marita Schneider:

Eigentlich ganz einfach, oder doch nicht? Ich finde, in dieser Thematik wird wieder viel Schwarz-Weiß-Malerei betrieben. Worum geht es  eigentlich? Ein Jugendlicher, der in einer Pflegefamilie oder Wohngruppe lebt, soll 75 Prozent seines Nettolohns an den Staat abgeben. „Absoluter Irrsinn“, erst mal. Was signalisieren wir diesem jungen Menschen? Arbeit lohnt sich nicht, bleib ich doch lieber zu Hause und mache nichts? Was man nicht vergessen darf, und ich finde, diesen Punkt überliest man im Artikel leicht, ist die Tatsache, dass dem Jugendlichen „Sachleistungen“ in Form von Unterkunft, Verpflegung, Hygiene, Kleidergeld, Freizeit, Fahrtkosten ... gestellt werden.

Also, der Jugendliche bekommt dies alles und dazu noch seine Ausbildungsvergütung. Sein Ausbildungskollege, der mit 18 Jahren von zu Hause ausgezogen ist, zahlt von dieser Ausbildungsvergütung sein WG-Zimmer, seine Kleidung, seine Verpflegung, seine Busfahrkarte ... bleibt wahrscheinlich auch nicht mehr als ein Taschengeld.

Nun kann man sich überlegen: Was ist gerecht, was ist angemessen? Eine Möglichkeit der Transparenz wäre, dem Jugendlichen (Wohngruppe) vorzurechnen, welche zusätzlichen Bezüge er bekommt, und ihm klarzumachen, dass er für seine Unterkunft et cetera bezahlt – so wie das seine Kollegen auch tun müssen.

Ob die 75 Prozent angemessen sind oder eher 50 Prozent, kann ich nicht sagen, aber rein pädagogisch gesehen sollte es sich lohnen, entweder im Verdienst, was überbleibt, oder im Selbstwertgefühl des Heranwachsenden (vom Gefühl her tendiere ich zu den 50 Prozent).

Marita Schneider, Konz