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Verkehr und Justiz: Unreife Egomanen

Verkehr und Justiz : Unreife Egomanen

Zu den Artikeln „Zu schnelles Fahren häufig Grund für tödliche Unfälle“ (TV vom 15. Januar) sowie  „Oberstes Gericht verhandelt Klage gegen Blitzer“ und „Zieht das Verfassungsgericht Blitzeranhänger aus dem Verkehr?“ (TV vom 16. Januar) schreibt Maria Huss:

Genau einen Tag nach dem Bericht des TV, dass zu schnelles Fahren  laut Mitteilung des Statistischen Bundesamtes ein häufiger Grund für tödliche Unfälle ist, erweist sich Ihre Berichterstattung über die Klage eines Fahranfängers gegen seinen Bußgeldbescheid als ausgesprochen gesundheitsschädlich für meine Blutdruckwerte! Im Alter von 72 Jahren fahre ich gern, sicher und sehr verantwortungsbewusst Auto(inklusive Seniorenfahrprüfung) .

Während meiner regelmäßigen Fahrten von Trier in die Vulkaneifel (B 51, E 42) erlebe ich eine ständige Bedrohung meines Lebens durch Raser. Bei meist starkem Verkehr wird gefährlich dicht aufgefahren und äußerst waghalsig überholt. Wenn ich unter Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit überhole, werde ich häufig durch Aufblenden und/oder obszöne Handbewegungen belästigt und beleidigt.

Im vorliegenden Fall nun werden meine Steuergelder für die Klagen eines jungen Rasers, dem zwei (!) Anwälte dienen, vor mehreren Gerichten missbraucht und verschleudert. Statt Einsicht und vielleicht sogar Scham über ordnungswidriges und riskantes Fahren zu fördern, wird hier rücksichtsloses Verhalten unterstützt und vom eigentlichen Thema durch legalistische Spitzfindigkeiten abgelenkt. Überlastung unserer Gerichte? Na, klar! Resultat: Verkehrsteilnehmer, die die Regeln des Straßenverkehrs nicht als Drangsalierung, sondern als Garant für ihre Sicherheit ansehen und achten, werden weiter von unreifen, uneinsichtigen Egomanen mit null Interesse am Gemeinwohl gefährdet. Das ist Deutschland im Jahre 2020 unter einem Autoindustrielobby-Verkehrsminister Andreas Scheuer, ohne verbindliches Tempolimit. Allen Verkehrsteilnehmern wünsche ich ein gutes und sicheres neues Jahr!

Maria Huss, Mertesdorf