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Gesundheit: Unsägliches Regelwerk

Gesundheit : Unsägliches Regelwerk

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Gerd Jakobs, Alois Zehren und Fritz Kassner:

Dass ich überhaupt einmal einen Leserbrief schreiben würde, hätte ich nicht gedacht, aber manche Dinge brauchen ein Ventil und von daher ...

„Now we have the salad“ (Nun haben wir den Salat); besser hätte ein ortsansässiges Unternehmen seinen aktuellen Werbeprospekt kaum betiteln können.

Die dritte Corona-Welle hat nun auch die Region erreicht. Also wieder die Frage: Geschäfte auf/zu, mit tagesaktuellem negativen Corona-Test, mit 10/5/1 Person pro x Quadratmeter inklusive Kind/Hund/Goldfisch oder was auch immer aus am besten keinem Haushalt ...?

Man möge mir diese Umschreibung nachsehen, aber welcher Politiker oder Verantwortliche kann dieses unsägliche Regelwerk denn noch irgendjemandem nachvollziehbar und verständlich machen? Dass die Akzeptanz der Regeln innerhalb der Bevölkerung einen neuen Tiefstwert erreicht hat, dürfte kaum verwundern.

Ich habe mir schon länger meine Gedanken gemacht und bin für mich zu folgendem Ergebnis gekommen: Die europaweite und die bundesweite Impfstrategie halte ich für verfehlt. In meinen Augen wäre es speziell für Deutschland sinnvoller gewesen, zu Beginn der zweiten Welle einen harten Lockdown wie bei der ersten Welle von drei Monaten bundesweit anzuordnen. Jedermann hätte genau gewusst, woran er ist und was er zu tun oder zu lassen hat. Eine Pandemie macht nicht vor Ländergrenzen oder Ladentüren halt!

Zur Impfstrategie (vorausgesetzt, es hätten gleich zu Beginn ausreichende Mengen an Impfstoff sowie Testmöglichkeiten zur Verfügung gestanden): Ich hätte es für zielführender gehalten, zuerst die Altersgruppe ab 50 bis 65 Jahre sowie alle Krankenhausmitarbeiter, Pflegekräfte sowie Lehrer und Kinderbetreuer zu impfen. Gerade dieser Personenkreis steht noch mitten im Berufsleben und ist bisher ungeschützt. Durch eine frühzeitige Impfung wäre dieser zu großen Teilen auch systemrelevante Personenkreis nun geschützt und könnte unbeschwerter seinen Aufgaben nachgehen. Außerdem denke ich, dass auch genau diese Altersgruppe viele Angehörige in Pflegeheimen hat. Durch die frühzeitige Impfung wäre somit ein problemloser Besuch möglich geworden. Außerdem bestünde immer noch die Möglichkeit der Schnelltests.

Nun bin ich weder Arzt noch Virologe; meine Schlüsse ziehe ich alleine aus eigenen Überlegungen und kann damit sicherlich völlig falsch liegen. Ein Patentrezept gibt es genau so wenig; was aber leider auch bleibt, ist der Unmut über das Versagen der aktuellen Entscheidungsträger in vielen Belangen.

Gerd Jakobs, Trier

Bei welcher Inzidenz muss eigentlich die Bundeskanzlerin zurücktreten?

Alois Zehren, Freudenburg

Zur Rolle der Hausärzte:

Die Verwirrung und die Frustration bezüglich der Corona-Impfungen sind schon groß genug. Journalisten sollten deshalb Nachrichten sehr sorgfältig prüfen, um sich von den „sozialen Medien“ durch Professionalität deutlich abzuheben.

Leider ist das beim Hauptartikel vom 12. März nicht der Fall gewesen. Im ersten Absatz kann man lesen: „[...] rechnet damit, dass Rheinland-Pfalz im April rund 110 000 Impfdosen [...] erhält“. Auf der Internet-Seite corona.rlp.de kann man nachlesen, dass es sich dabei um die wöchentliche Lieferung im Monat April handelt. Das ist auch schon recht wenig und reicht nicht aus, um im April die Menschen der hohen Priorität (70+) zu impfen (circa 360 000 Personen).

Selbst im April sind die seit dem 15. Dezember mit viel Engagement und finanziellem Aufwand eingerichteten Impfzentren überdimensioniert. Durch den Einsatz von Hausärzten kann das Impftempo nicht gesteigert werden, denn es fehlt an Impfstoff. Eine Abstimmung von Lieferungen und Impfkapazitäten hat nicht stattgefunden. Die Diskussion um die Impfung durch Hausärzte und die Aufgabe der Prioritäten überdecken diesen Mangel ... und sollen es wohl auch.

Nebenbei gesagt, nicht nur bei den Corona-Impfstoffen ist die Versorgung unzureichend. Ich habe auf einen Impfstoff gegen Lungenentzündung vier Monate gewartet.

Fritz Kassner, Reil