1. Meinung
  2. Leserbriefe

Militär: Unsinnige Kriegsmaschinerie

Militär : Unsinnige Kriegsmaschinerie

Zur Berichterstattung über den geplanten Abzug von US-Soldaten aus der Eifel und die Zukunft der Airbase Spangdahlem schreiben Wolfgang Billen, Christian Gerard, Thomas Zuche, Kurt Weiser und Dieter Hardes:

Trump sei Dank? Danken würde ich ihm zwar nicht, aber wenn der US-Stützpunkt in Spangdahlem geschlossen würde, wäre dies immerhin ein positiver Aspekt (und leider der einzige) seiner Amtszeit gewesen. Aber ernsthaft. Was sollen die Tränen über den möglichen Abzug der US-Amerikaner aus Spangdahlem? Was haben wir denn von der Airbase: krankmachenden Lärm, verseuchtes Grundwasser und Milliarden-Ausgaben für eine unsinnige Kriegsmaschinerie.

Ich bin in einem Dorf (jetzt Stadt) zwischen den Flughäfen von Bitburg und Spangdahlem aufgewachsen und weiß, wie unerträglich der Lärm der Kampfjets oder schweren Transportflugzeuge immer war und auch heute noch ist. Mir kann niemand erzählen, dass man sich daran gewöhnt und dass es halb so schlimm ist. Da redet man sich etwas schön. Gesunde Umwelt ist etwas anderes als PCB in Fischweihern oder in der Kyll.

Natürlich würden Arbeitsplätze oder Mieteinnahmen verloren gehen, und dies ist schlimm für die betroffenen Menschen in der Eifel. Aber mittel- und langfristig wäre es ein Gewinn für die Region und kommende Generationen.

Das Geld, das für den Unterhalt einer riesigen Airbase ausgegeben wurde, könnte in eine lebenswertere Umwelt mit zukunftsorientierten Arbeitsplätzen investiert werden. Wie hieß es in der Friedensbewegung: Schwerter zu Pflugscharen. Das heißt aber nicht „Zurück auf den Acker“, sondern „Rein in die Zukunft“.

Wolfgang Billen, Konz

Der angekündigte Abzug der mit knapp 30 F-16 ausgerüsteten 480. Jagdstaffel nach Aviano in Italien hinterlässt ein großes Fragezeichen hinter dem Flugplatz Spangdahlem. Leider fallen viele Reaktionen diverser Lokalpolitiker im TV dilettantisch aus oder driften gar ins Lächerliche ab, wie die von Landrat Joachim Streit, der noch gar nicht georderte F-18-Flugzeuge bei Boeing abbestellen möchte, um Donald Trump eins auszuwischen.

Dabei lenkt das orchestrierte Abarbeiten der regionalen Politiker an der Person von Donald Trump, der wie alle anderen US-Präsidenten in sicherheitspolitischen Belangen von einem hochrangigen Expertenstab beraten wird, von der tiefer liegenden Ursache des Abzugs ab. Gut informierte Quellen haben in den letzten Jahren mehrmals darauf hingewiesen, dass das Training der US-Piloten im deutschen Luftraum immer mehr eingeschränkt wurde. Da die Flugstundenzahl pro Pilot bei der Air-Force teils deutlich höher ist als zum Beispiel bei der Luftwaffe, trainierte die Staffel aus Spangdahlem jährlich mehrmals in anderen Ländern, was zusätzliche Kosten und Belastungen des Personals verursachte. Spätestens hier hätten längst bei den verantwortlichen Lokalpolitikern die Alarmglocken läuten müssen, aber durch die ständigen Baumaßnahmen auf dem Flugplatzgelände hat man sich in trügerischer Sicherheit wiegen lassen.

Man hatte sowieso nur den wirtschaftlichen Vorteil der Region im Blick unter Ausblendung der in der Bevölkerung eher unpopulären Belange des Militärs. An diejenigen, die eine Stationierung von Kampfflugzeugen in Spangdahlem von je her als krach- und umweltbelastenden Unsinn betrachtet haben, sei erinnert, dass es noch nicht lange her ist, dass die 480. Jagdstaffel den Terroristen vom Islamischen Staat von April bis Oktober 2016 den entscheidenden Schlag zum Rückzug in Syrien und dem Irak versetzt hat.

Seit dem Jahr 1999, als noch vier Staffeln in Spangdahlem stationiert waren, hat sich trotz erheblicher Investitionen in den Stützpunkt ein sukzessiver Abbau der fliegenden Einheiten ergeben, der nun in einen erheblichen Bedeutungsverlust des Flugplatzes Spangdahlem mündet.

Wegen der nun geringeren Auslastung wächst die Gefahr, dass bei der nächsten Sparrunde im amerikanischen Verteidigungshaushalt doch noch eine Komplettschließung droht. Da der deutsche Steuerzahler den Ausbau des Flugplatzes erheblich mitfinanziert hat, sollte auch für die deutschen Streitkräfte ein Anrecht bestehen, künftig die Anlage mitbenutzen zu können. Im Hinblick auf das derzeitige Bestreben der deutschen und europäischen Politik, sich mit schnell verlegbaren Einheiten den veränderten sicherheitspolitischen Gegebenheiten anzupassen, bietet der Flugplatz Spangdahlem dazu mit seiner modernen Infrastruktur und großzügig ausgelegten Betriebsflächen ideale Bedingungen für Kampf- und Transportflugzeuge mit den dazu gehörenden Kommandoeinheiten. Denkbar wäre die Beherbergung einer A400M-Transportfliegerstaffel der Luftwaffe in Spangdahlem, anstatt sie mit dem Einsatz von viel Geld auf dem Lechfeld bei Augsburg aufzustellen. Oder auch eine Verlegung des Eurofighter-Verbands aus Nörvenich, der aus dem sehr engen Luftraum rund um Köln operiert. Zudem wäre der Weg zum Übungsflugraum von Spangdahlem aus näher, was wiederum Betriebskosten einspart.

Ist es nicht sinnvoller, erst mit der Bundesverteidigungsministerin und ihrem Generalstab eine weitere zweckgebundene Nutzung des Flugplatzes auszuloten, als voreilig eine weitere Konversion voranzutreiben, wie vom CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder angestrebt?

Gefragt sind nun Politiker, die sich mit Sachverstand auch aus dem militärischen Bereich verbünden, um Szenarien durchzuspielen, aus denen zukunftsweisende Konzepte für Spangdahlem entwickelt werden können.

Christian Gerard, Mehring

Worüber nur selten gesprochen wird: Der von der US-Regierung verkündete Abzug des 52. Kampfgeschwaders aus Spangdahlem löst bei Kommunal- und Landespolitikern und anscheinend auch vielen Bürgern in der Umgebung Betroffenheit aus. Die Sorgen sind ernst zu nehmen: drohender Arbeitsplatzverlust von Hunderten deutschen Arbeitnehmern, Kaufkraftverlust in der Region, nicht zuletzt der Abbruch von gewachsenen menschlichen Beziehungen.

Was aber fast völlig zu kurz kommt, ist eine friedenspolitische Bewertung, so als ob die Airbase ein wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Selbstzweck wäre. Tatsächlich ist sie ein vorgeschobener Posten der US-Luftstreitkräfte und Instrument einer Militärpolitik, die nicht nur „abschreckt“ (und so die wechselseitige Bedrohungsspirale von Nato und Russland befeuert), sondern auch Krieg führt. Mit der Kampagne „Krieg beginnt hier!“ haben wir die Bedeutung von Spangdahlem als Kriegsflugplatz thematisiert. Die Airbase Spandahlem steht für eine Droh- und Kampfeinsatzpolitik der USA. So zitierte der TV einen Sprecher des Spangdahlemer Geschwaders, der sich damit brüstete, dass die „Sabers“ (= Säbel) „in sechs Monaten 1900 Präzisionsbomben auf Ziele im Irak und in Syrien“ geworfen und damit „einen neuen Rekord in der Luftkampfgeschichte“ erzielt hätten (TV vom 30. August 2017). Kriegseinsätze, Gefährdungen und Beeinträchtigung der Bevölkerung durch Abstürze und Übungsflüge, Verseuchungen und Verschmutzungen von Wasser und Erdboden, potenzielle Gefährdung durch Terrorakte und sicheres Angriffsziel im Kriegsfall – das ist Teil der oft verschwiegenen Agenda des US-Luftwaffenstützpunktes. Es wäre redlich, auch davon zu sprechen.

Schon 2004 hat die Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) gemeinsam mit Partnern aus der Region eine Konversionskonferenz auf der Burg Dudeldorf veranstaltet. Die 40 Teilnehmer waren sich einig in der Notwendigkeit und der Möglichkeit ziviler Nutzungsmöglichkeiten der Airbase. Die eingeladenen Politiker glänzten damals durch Abwesenheit. Jetzt könnte sich diese Ignoranz gegenüber einer Zukunftsentwicklung rächen, die durch Präsident Trump Gegenwart geworden ist. Wir jedenfalls begrüßen den Abzug des US-Kampfgeschwaders.

Thomas Zuche, Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V., Trier

Wenn ich in den Medien höre und lese, wie traurig die Menschen um den Flugplatz Spangdahlem wegen des möglichen Abzugs der F-16 sind, sträuben sich mir die Haare. Da werden die Meinungen einiger Profiteure des Flugplatzes und der Verwaltung mit der vieler Menschen gleichgesetzt, die unter Lärm und Umweltschäden leiden. Viele trauen sich nur nicht, ihre Meinung laut zu sagen, weil sie fürchten, dafür „gedeckelt“ zu werden. Natürlich ist die Angst vor Verlust von Arbeitsplatz und Einkommen verständlich, doch wie positiv langfristig der Abzug von Militär ist, kann am Flugplatz Bitburg beobachtet werden. Dabei sind die Chancen von Spangdahlem, zivil genutzt zu werden, viel größer als die des ehemaligen US-Standortes Bitburg je waren. Auch Föhren ist ein nicht zu übersehendes positives Beispiel.

Kurt Weiser, Herforst

Es ist merkwürdig, wenn der US-Kommandeur von Spangdahlem dem Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte widerspricht und Abzugspläne verneint. Der Kommandeur richtet diese Worte wahrscheinlich vorrangig an die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und die regionalen Politiker, zum Beispiel den Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Joachim Streit. Was bedeuten die Worte des Kommandeurs? Offenbar sollen sie zur Beruhigung beitragen, obwohl sie in Wirklichkeit viel Lärm und Umweltbelastungen für die Region bedeuten – durch Tausende Überflüge im Jahr. Interessen der regionalen Geschäftsleute, für die die US-Soldaten wirtschaftlich bedeutend sind, werden stärker gewichtet als langfristige Umweltschäden in der Region. Letztere werden zurückgestellt. Ist das eine rationale Reihenfolge?

Dieter Hardes, Trier