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Gesundheit: Unvorstellbar amateurhaft

Gesundheit : Unvorstellbar amateurhaft

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie und die Impfkampagne schreiben Christel Beckert-Schoemen, Jean-Luc Montamat und Joachim Sels:

Ich bin dankbar für die gute Organisation in unserem Land. Aus meiner Sicht können wir wirklich zufrieden sein mit dem Start der Corona-Impfaktion in Rheinland-Pfalz. Mein Mann und ich und viele unserer Bekannten gehören zur Gruppe der über 80-Jährigen, wir haben bereits Impftermine oder die erste Impfung sogar schon erhalten. Ich bin froh, dass unsere Landesregierung schon am 27. Dezember mit der Impfung in den Alten- und Pflegeheimen begonnen hat und seit dem 7. Januar auch unsere Risikogruppe die Chance hat, geimpft zu werden. Natürlich sind die Impfdosen begrenzt und man muss Geduld aufbringen. Die Tatsache, dass wir mittlerweile einen Spitzenplatz unter den Bundesländern bei der Impfquote einnehmen, finde ich wirklich lobenswert. Große Anerkennung für das tolle Engagement aller Verantwortlichen.

Christel Beckert-Schoemen, Wittlich

Es ist zu lesen, dass einige Bundesländer keine Impfdosen mehr haben und dass man dort Impfungen mit sofortiger Wirkung aussetzen muss. Es ist absolut unvorstellbar, wie amateurhaft das Impfverfahren gegen das Coronavirus organisiert ist. In meinem Berufsleben habe ich an sehr komplexen Milliarden-Euro-Projekten auf der ganzen Welt aktiv teilgenommen. Sie konnten dank einer vollständigen Übernahme der Verantwortung der betroffenen Personen, Abteilungen und Unternehmen und insbesondere dank des Einsatzes exzellenter und sehr komplexer Projektmanagementsysteme erfolgreich ausgeführt werden. Alle Partner, Abteilungen oder Personen mussten sehr gründliche Schulungen zu diesem Projektmanagementsystem absolvieren. Schwierige Situationen wurden täglich mit sofortigen Entscheidungen zur Korrektur der Situation bewältigt.

Wenn wir uns die aktuelle Situation ansehen: den Mangel an Impfstoffen, die Qualität der Termine, die Qualität der Websites, die Korrekturen der Probleme, können wir uns vorstellen, dass all diese Verantwortlichen fast nichts über das Management solcher Projekte wissen. Was für eine Verschwendung, es kostet leider viele Leben! 

Jean-Luc Montamat, Gusterath 

Nun ist der Lockdown erwartungsgemäß verlängert worden. Erste zaghafte Versuche, die Maßnahmen zumindest ein kleines bisschen intelligenter zu gestalten, beispielsweise das Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen, werden gleich schon wieder kritisiert. Dabei ist doch offensichtlich, dass diese Masken – selbst wenn „falsch“ getragen – eine Verbesserung gegenüber den herkömmlichen, ergonomisch überhaupt nicht an die Gesichtsform angepassten „Läppchen“ sind. Letztendlich hat es jeder selbst in der Verantwortung, wie ernst er das Masketragen nimmt. Tipp für Egoisten: das Tragen der FFP2-Maske dient zur Abwechlung auch mal dem Selbstschutz und nicht nur dem Schutz der anderen.

Die Ausweitung des Home-Office klingt für sich alleine genommen unlogisch. Dann sollte bitte schön auch konsequent der ÖPNV ausgedünnt oder sogar geschlossen werden, gepaart mit einem Ruftaxi-Angebot für Ausnahmefälle, gegebenenfalls gratis für über 55-Jährige und unter 18-Jährige mit Monatsticket. Denn an kaum einem anderen Ort finden Kontakte völlig unkontrollierbar und gleichzeitig so auf engstem Raume statt wie in einem Bus.

Die Ausdünnung des ÖPNV-Angebots könnte man natürlich auch noch intelligenter gestalten, etwa Reservierung von Einkaufszeiten für Senioren – vormittags – und Synchronisierung dieser Zeiten mit dem ÖPNV-Angebot. Da dies für die allermeisten Bürger eine nachvollziehbar sinnvolle Maßnahme wäre, ist von einer weitgehenden Akzeptanz auszugehen. Eine weitgehende Schließung des ÖPNV würde auch zusätzlichen Druck auf die vermutlich nur noch wenigen Arbeitgeber ausüben, die noch keine vernünftigen Hygiene-Konzepte erstellt haben und bisher das Home-Office nicht nachvollziehbar eingeschränkt haben. Und nebenbei die CO²-Bilanz positiv beeinflussen.

Dank Datenschutz hilft die Corona-App solange nicht wirklich weiter, bis sie den Behörden auch Bewegungsdaten zur Verfügung stellt. Hier wäre Nachbesserung angesagt. Ich jedenfalls wäre sehr gerne bereit, diese Beweungsdaten nicht nur Google und Apple zur Verfügung zu stellen, sondern auch dem RKI. Man könnte es ja per Option jedem Nutzer selbst überlassen, ob er einer solchen Datennutzung zustimmt oder nicht.

Es ginge also noch einiges mehr als die bisherigen „Steinzeit“-Maßnahmen.

Joachim Sels, Ralingen