Unwetter

Zur Berichterstattung über die Flutkatastrophe und die Hilfsaktionen:

Mit großem Einsatz veranstalten die Medien Wohltätigkeitsveranstaltungen zur besten Sendezeit und lösen eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft aus. Bei der Sendung von Günther Jauch kamen rund acht Millionen Euro zusammen. Wir sind doch eine vorzeigbare Solidargemeinschaft, so klopfen wir uns alle gegenseitig auf die Schultern. Acht Millionen Euro, das ist doch eine Riesensumme, oder etwa nicht? Acht Millionen Euro, das sind auf 80 Millionen Bundesbürger gerechnet zehn Cent pro Person. Die von uns eingesetzten Bearbeiter unserer Gemeinschaftsaufgaben (Regierung) haben jedoch ermittelt, dass wir nicht acht Millionen Euro brauchen, um die Schäden zu beheben, sondern acht Milliarden Euro. Das ist genau tausend Mal so viel. Unsere Spende vom bequemen Sofakissen aus ist also gerade einmal ein Promille dessen, was wir tatsächlich aufbringen müssen. Nicht zehn Cent pro Person, sondern tausendmal soviel, nämlich 100 Euro muss jeder Deutsche im Durchschnitt aufbringen, um die Hochwasserschäden zu beheben und damit wir uns tatsächlich eine Solidargemeinschaft nennen können. Das jetzige ein Promille ist ein Tropfen auf den heißen Stein; sentimental-romantische mildtätige Wohltätigkeitsveranstaltungen benebeln unsere Verantwortlichkeit und lenken von der Wirklichkeit ab. Wir sollten klar und nüchtern auf den Tisch legen, was die Fakten sind. In einem unvergleichlich schlimmeren Falle gab es einmal den sogenannten "Lastenausgleich" zwischen denen, die alles verloren hatten, und denen, die ihr Hab und Gut noch besaßen. Im Vergleich dazu ist unser jetziger Pflichtbeitrag von durchschnittlich 100 Euro pro Person zum Ausgleich der Hochwasserkatastrophe ein Trinkgeld, das wir mit links aufbringen können und das keinen arm macht. Doch mit zehn Cent pro Person kommen wir nicht davon. Wenn unsere Regierung nun die schöne Stimmung nicht verderben will und uns beschwichtigt, sie werde für die fehlenden 999 Promille Kredit aufnehmen, dann folgt daraus nur, dass wir alle zusammen dafür nicht nur Tilgung, sondern auch Zinsen bezahlen müssen. Also lassen wir das lieber und ermutigen unsere Verantwortungsträger, uns die Rechnung redlich, ohne Selbstbetrug, zu präsentieren. Eckart Leipprand, Trier